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Eindimensionale Wellen

Bild 1: Animation zum Bild im Vorwort: Vier bewegte Ortswellen f(x,vt) einer Raumdimension. Ordinate: x, Abszisse: f(x).

Diskussion: Mit den Vorzeichen von zwei freien Parametern x und vt lassen sich 2² = 4 Funktionen variieren. (a) und (b) zeigen Wellen, die nach unserem Empfinden vorwärts laufen. Dazu erhielten die Wellen einen kleinen Schweif. Im Gegensatz dazu laufen die Wellen (c) und (d) rückwärts, d.h. der Schweif läuft voran. Ist vt positiv, vgl. Nr. a) und b), läuft der Wellenberg voran. Ist vt negativ, vgl. Nr. c) und d), läuft das Wellental voran und der Berg hinterher.

Die mit dem Schwanz voranlaufenden Wellen begegneten uns 1993/94 bei der Entwicklung von PSI-Tools zum ersten mal. Es fehlte die Phantasie, uns das Wellenfeld vorzustellen, welches zu der rückwärtslaufenden Zeit in der Interferenz-Rekonstruktion gehört. Ich bat deshalb unsere damalige Softwareentwicklerin Sabine Höfs, das Interferenzintergral der Rekonstruktion eines (gesamten) Bildes in zeitliche Teilintegrale zu zerlegen. Vollkommen überraschend erhielten wir Wellenfelder mit rückwärts-/einwärtslaufenden Wellen, siehe unten.

Man vergleiche übrigens (a) bis (d) mit der eindimensionalen d'Alembertschen Wellengleichung: Wir erkennen Fall (b) und (c), statt (a) und (b). Wie lange mag dieser Fehler schon existieren? Die richtige Lösung der d'Alembertschen Wellengleichung sollte folglich im Kern besser so aussehen: u(t, x) = f(ct + x) + g(ct - x). Man vergleiche dazu eine Herleitung. Der Term x² = c²t² ließe sich nach c²t² -x² = 0 statt nach x² - c²t² = 0 umstellen: Schon entspräche alles unserer Anschauung, und die Wellen würden richtig herum laufen.

Bild 2: Die vier eindimensionalen Ortsfunktionen. Pro Kurve ist ein Zeitpunkt eingefroren. Denken wir an Meereswellen, kommen uns die grünen Wellen plausibel vor. Fälle (C) und (D) zeigen rückwärts laufende Wellen.

Bild 3: Die vier eindimensionalen Zeitfunktionen. Jede Kurve gilt nur für einen Ortspunkt. Denken wir an ein Oszilloskop, kommt uns diese Darstellung bekannt vor. Fall (A) zeigt wachsende Verzögerung, Fall (B) zeigt wachsende, negative Verzögerung, Fälle (C) und (D) sind eher unplausibel.

Vielleicht noch ein Wort zum Motiv dieser Wellensimulation. Bei der Untersuchung von Zeitfunktionen aus dem Nervensystem stößt man auf zwei Aufgaben: die Rekonstruktion der Quellgebiete (des Generatorraumes) und der Projektion in die Zielgebiete (I.-Projektion). Beide Aufgaben unterscheiden sich oft nur durch ein kleines Vorzeichen (a) <-> (b). Mir fiel auf, daß Vorzeichen von Wellen in Lehrbüchern oft nicht beachtet werden, zum Beispiel finden wir rückwärtslaufende Wellen bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Wave oder http://de.wikipedia.org/wiki/Welle.
Man vergleiche die formale Identität der Scilab-Quellen und präge sich die richtigen und die falschen Formen ein.


Interferenzintegrale

Multiplikative Interferenz zweier Gauss-Zeitfunktionen

Bild 4: Interferenzintegral als mathematische Verbindung zwischen Welle (a,b) und Bild (d), zwischen Hören und Sehen. Dort, wo sich viele Wellen begegnen, entsteht eine hohe Wirkung (ein hoher Interferenzwert). Im Bild begegnen sich zwei Wellen. Den Ort der Begegnung zeigt bereits eine Multiplikation der Ortsfunktionen in (c) an. Um ein dauerhaft bleibendes Bild zu erhalten, integrieren wir den Wert für jedes Sample separat auf - ein Interferenzintegral (d) entsteht. Während (a) bis (c) Zeitfunktionen darstellen, zeigt das Interferenzintegral (d) die Entwicklung eines bestimmten Bildpunktes.

Ein Interferenzintegral stellt die elementarste Abstraktion der Bildentstehung auf dem Niveau von Zeitfunktionen dar. Wir erkennen, daß sinoidale Zeitfunktionen hier keine Rolle spielen müssen. Bestehen Zeitfunktionen aus Lichtquanten, spricht man von Photographie, sind sie mikrophonierter Schall, erhalten wir akustischen Bilder z.B. mit einem Ultraschallgerät oder mit einer akustischen Kamera aus vielen, parallel aufgezeichneten Tonspuren. Sind Zeitfunktionen neuronaler Natur, sprechen wir von Sehen, Hören, Fühlen oder Denken. Allerdings kann wohl nur des Nervensystem die multiplikative Form nutzen, da nur hier einpolare Signale anzutreffen sind. Optik und Akustik nutzen additive Formen, siehe folgende Beispiele. Man beachte die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Zeitfunktionstyp, Parametern, Verknüpfung und Integral.

Zu Bild 4: Es zeigen (a) und (b) interferierende Zeitfunktionen f1 und f2; (c) eine skalare Multiplikation beider Zeitfunktionen f3 = f1 * f2 und (d) ein zeitliches Integral über f3 in der Form f4 = f4 + f3; f4 ist initial Null. Die Variablen f1...f4 sind in der numerischen Durchführung Vektoren (eindimensionale Matrizen). Für jedes vt entstehen die Vektoren f1...f4 neu.

Der hier vorgestellte Ansatz ist nur für den eindimensionalen Raum und zwei Zeitfunktionen geeignet. Denkt man an mehrere Zeitfunktionen, die im Winkel aufeinander treffen, so wird deutlich, daß hier nur ein Spezialfall behandelt wird. Für mehr als zwei Kanäle in räumlichen Geometrien war ein anderer Denkansatz zu finden. Die Erfindung akustischer Bilder und Filme mit der später so bezeichneten akustischen Kamera basierte auf der heute so bezeichneten Interferenz-Rekonstruktion, die 1993 als Maskenalgorithmus eingeführt wurde.


Multiplikative Interferenz mit Verzögerung (Movement)

Bild 6: Was passiert nun aber, wenn eine der Wellen zeitlich verzögert ins Feld kommt? Im Bild wurde die zweite Welle (b) f2 = welle(vt + x + vT) verzögert um T = -4/v. Im Interferenzintegral (d) erkennen wir, daß sich der Treffort beider Wellen auf x = 2 verschiebt. Wir erkennen, daß zeitliche Verzögerungen in Kanaldaten stets zu einer Veränderung der Interferenzorte führen.

Das Interferenzintegral verschiebt sich immer zur verzögerten Welle hin. Verzögern wir einen Kanal, so bewegt sich ein gesamtes Bild (vielleicht eine neuronale Karte) zur verzögerten Seite hin (siehe Movement): Interferenznetze zeigen damit eine Projektionseigenschaft, die wir aus der Optik kennen. Im Nervensystem bekommen wir eine Idee von der Aufgabe von Glia-Zellen, in die Nervenfasern eingebettet sind: Sie können die Leitgeschwindigkeit eines Nervs verändern, folglich dessen Signalverzögerung, folglich verschieben sie Interferenzorte, folglich Interferenzintegrale und -karten.


Multiplikative Interferenz zweier rechteckförmiger Zeitfunktionen

Bild 7: (a) und (b) Zeitfunktionen; (c) Momentanwert der Multiplikation; (d) Interferenzintegral. Man beachte, daß das Interferenzintegral (Wavelet-Analogie: Mallat) nadelscharf auf der x-Achse abbilden kann, obwohl die Zeitfunktionen (Wavelet-Analogie: Haar) erheblich klobig erscheinen.

In das Nervensystem übersetzt bedeutet diese Simulation, daß jegliche Schwellwertbildung (man vergleiche Neuronenmodelle zeitlich nach Hodgkins/Huxley) zu nadelscharfer Lokalität der neuronalen Adresse führt, auch bei vergleichsweise großer geometrischer Länge der Wellenplateaus.

In die Sprache bildgebender Systeme übersetzt, bedeutet es: Mit Interferenzintegralen ist es prinzipiell möglich, Auflösungen in Bruchteilen einer Wellenlänge zu erreichen. Da mediale Eindringtiefen i.a. in Vielfachen einer Wellenlänge gemessen werden, bedeutet der interferenzielle Zugang damit eine Erhöhung von Eindringtiefe oder Auflösung.

Diese grundlegende Entdeckung veranlasste mich 1993 u.a., mit dem Manuskript Neuronale Interferenzen zu beginnen. Als Beispielapplikation entstanden bis 1997 erste, akustische Bilder und Filme. Die Geburtsstunde der akustischen Photo- und Kinematographie war gekommen.


Multiplikative Interferenz einer laufenden mit einer stehenden Zeitfunktion (Interferenzfaltung)

Bild 8: Wir halten Welle (b) an, indem der Parameter vt entfernt wird. Das Interferenzintegral zeigt dann ein skaliertes Abbild der stehenden Welle. Die Form der laufenden Welle ist nahezu bedeutungslos (Scilab-Code unter den Bildern).

Unterschied zum Faltungsintegral: Der Kern von Welleninterferenz erinnert an einen Faltungskern. Allerdings fehlt die verzögerte Mittelwertbildung über mehrere Orte. Im Gegensatz zum Faltungsintegral besitzt das Interferenzintegral nur je einen Ortsbezug pro Schritt. Ausschließlich Amplituden an jeweils einem einzigen Knoten (Sample, Pixel, Voxel, Netzknoten) werden summiert. Daher auch der neue Name. Eine Faltung kann als Interferenznetz dargestellt werden z.B. in Form einer FIR-Schaltung (FIR: Finite Impulse Response). Das Faltungsintegral läßt sich folglich auf Interferenzintegrale reduzieren.


Multiplikative Interferenz verschieden schnell laufender Zeitfunktionen

Bild 9: Wir beschleunigen Welle (b), indem der vt-Parameter mit einem Faktor 5 gewichtet wird. Das Interferenzintegral zeigt dann ein gemischtes Abbild beider Wellen, allerdings mit Tendenz zur Darstellung der langsameren Welle. Das resultierende Integral ist schmaler als die langsame Welle (a). Man vergleiche auch die Ausrichtung des Schwanzes beider Wellen.


Summative Interferenz mit Quadratur

Bild 10: Betrachten wir die Lösung der Wellengleichung nach d'Alembert, so taucht eine Addition zweier Zeitfunktionen (Ortsfunktionen) auf. Die Frage erhebt sich, ob diese Lösung ein von Null verschiedenes Interferenzintegral besitzt. Das Bild zeigt das Ergebnis des Tests für Gauß'sche Wellenformen. Zwar liefern beide Wellenberge bereits einen Gleichanteil im Integral, dennoch hebt sich der Ort der Interferenz ab.


Summative Interferenz mit Effektivwertbildung

Bild 11: Obwohl im Interferenzintegral (d) weniger Kontrast zu erzielen ist als durch Multiplikation der Zeitfunktionen, ist die Methode aus dem Bereich der akustischen Bildgebung nicht mehr wegzudenken. Verglichen mit der Multiplikation ist sie nicht anfällig gegen mehrkanalige Vorzeichenwechsel.


Lineare Superposition zweier Zeitfunktionen

Bild 12: Bei linearer Superposition verschwindet das Interferenzintegral ("Bild") hier vollständig! Man erkennt, daß der positive Wellenabschnitt von (a) oder (b) ein Integral in (d) erzeugt, während der gleichgroße negative Abschnitt das Integral wieder löscht. Im Ergebnis entsteht im Integral eine Welle, aber kein Bild. Diese Simulation zeigt, daß Nichtlinearitäten oder Unsymmetrien (Multiplikation, Quadrat, Effektivwert etc.) nötig sind, um Interferenzintegrale bilden zu können.

Allerdings gibt es Ausnahmefälle:

  • hochkanalige Interferenzen können das Interferenzintegral an einem Ort auch ohne Nichtlinearität steigern,
  • Monopolare Zeitfunktionen (Nervenzelle) erzeugen auch bei linearer Überlagerung ein Interferenzintegral.


    Sinoidales Integral bei Addition

    Bild 13: Während die Interferenz einzelner Impulse einen einzigen Ort 'belichtet', bilden sich bei Interferenz mehrerer, von Null verschiedener Wellenzüge an allen Interferenzorten der Wellenzüge von Null verschiedene Interferenzintegrale aus (Fremdinterferenz). Interferenz zweier, sinoidaler Wellenzüge ergibt ständig vorhandene Interferenzen. Bei Addition ist der negative Integralanteil jeweils dem positiven gleichgroß, entsprechend heben sich beide Anteile im Integral auf. Folglich hat man bei Addition immer darauf zu achten, daß eine Nichtlinearität (Quadrat, Potenz) die Interferenzorte anhebt. Außerdem sind u.U. negative Integralanteile ins positive zu klappen (zum Beispiel mit dem Quadrat oder dem Betrag). Das Interferenzintegral der Addition verschwindet latent, es konvergiert offenbar 'schwach' gegen Null (noch ohne Beweis).

    Würde man Zeitfunktionen nach ihrer Tauglichkeit für Selbstinterferenz bewerten, so sind die Extrema durch Einzelpuls (Radar, Sonar...) und Sinus (maximales Aliasing) bestimmt.


    Sinoidales Integral bei Multiplikation

    Bild 14: Im Falle multiplikativer Verknüpfung sind beide Forderungen bei zwei Zeitfunktionen automatisch gegeben. Zwei negative Vorzeichen ergeben ein positives Integral; Orte maximaler Interferenz heben sich ab. Entsprechend wächst das Interferenzintegral der multiplikativen Verknüpfung unbegrenzt. Bei Interferenz zweier positiver oder zweier negativer Wellenberge entsteht jeweils ein positiver Beitrag zum Integral, an Orten der Interferenz eines positiven und eines negativen Wertes entstehen negative Integrale. Entsprechend ergibt das Interferenzintegral der Multiplikation einen Sinus doppelter Frequenz und unbeschränkt wachsender Amplitude.

    Ein vollkommen anderes Bild ergibt sich bei multiplikativer Verknüpfung von mehr als zwei Zeitfunktionen. Hier entsteht ein permanenter Vorzeichenwechsel, der zu zerissen wirkenden Interferenzintegralen führt. So war die Multiplikation bei der Entwicklung erster, akustischer Bilder und der akustischen Kamera nicht nutzbar. Das Interferenzintegral der Multiplikation divergiert, es konvergiert offenbar gegen +/- &infin (noch ohne Beweis).


    Mutiplikatives Fremdinterferenz-Integral bei schwacher Besetzung

    Bild 15: Welle und Folgewelle (Echo, Ton...) in (a) interferieren mit einer anderen Welle (b) und erzeugen unabhängige Prägungen unterschiedlicher Lokalität im Interferenzintegral. Wäre die Folgewelle ein Echo, so würden wir in der Optik von Interferenzfiguren, in der Akustik von Aliasing sprechen.


    Wie eine Zeile eines Bildes entsteht

    Bild 16: Treffen Wellen mit verschiedener Verzögerung und mit verschiedenen Amplituden aufeinander, entsteht ein Interferenzintegral mit verschiedenen Extrema. Man stelle sich (d) als Schnitt durch ein Photo (Bildzeile) oder durch einen zwei- oder mehrdimensionalen Raum vor, um Interferenzkarten im Nervensystem zu verstehen. Die Verzögerung der Wellen zueinander codiert den Treffort.

    Prüft man die Realisierungschance z.B. der verwendeten Zeitfunktion f1(x,vt) als Fouriertransformierte, wird deutlich, daß die Fouriertransformation keinen effizienten Zugang zu Interferenznetzen schaffen kann. Im Gegenteil: Interferenznetze (IN) sind umso effizienter, je weiter die Zeitfunktionen von Sinus und Cosinus entfernt sind. Würde man Zeitfunktionen nach Eignungsgrad für IN sortieren, so wären die ungeeignetsten Sinus und Cosinus, und die bestgeeignetsten Gauß-, Rechteck- oder Dirac-Wellen. Die Evolution erfand wohl nur genau deshalb den Nervenpuls?



    Zu den Scilab-Quellen der GIF-Animationen

    Unter den GIF-Animationen befinden sich die Scilab-Quellen. Die Scilab-Files erzeugen jeweils eine Bildserie im GIF-Format. Diese kann mit herkömmlichen GIF-Animationsprogrammen, z.B. mit Psynetic gif-X zu einem Movie-GIF zusammengebunden werden.

    Der Aufbau der Scilab-Programme ist ähnlich. Für jeden x-Bereich wird eine Schleife über alle vt durchlaufen. Jedes Ausgabe-Bild wird als separater File in einem Unterverzeichnis ...\test abgelegt. Damit die Bilder sortiert vorliegen, beginnen sie mit dem Index 1000 im Filenamen. Für längere Movies Indexzähler i erhöhen.

    Achtung: Auch Scilab unterliegt beständigem Wandel. Sollte eine höhere Release von Scilab nicht funktionieren, bitte die Version 3.1.1 installieren.

    Bitte die Quellangabe nicht vergessen.

    Scilab-Source des Wellen-Bildes im Vorwort und Wellen-Bild



    Powerpoint-Bilder/Animationen für Interferenznetze/Wellen

    Die Zusammenstellung enthält Animationen, die in jeder Form nichtkommerziell genutzt werden können, vorausgesetzt, die Quelle ist deutlich gekennzeichnet (Minimum: www.gheinz.de oder G.Heinz, GFaI). Historisch erste Belege finden sich im GFaI Jahresbericht 1994. Für Lehrzwecke können auch die Powerpoint-Animationen genutzt werden.




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