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Digitalisierung des Telefons:
Erste, integrierte Schaltkreise (IC) aus Ost-Berlin



Fünf Jahre, bevor in Westberlin der erste IC entworfen wurde, begann man in Ostberlin mit ersten Schaltkreisentwürfen. Das Zeitalter der Mikroelektronik begann und veränderte die Fundamente der Welt. Die US-amerikanische Weltspitze indes war längst enteilt.

Inhalt




Der Transistor erobert die Welt

Heute geht nichts mehr ohne sie. Kaum ein Gerät kommt ohne Mikroelektronik aus. In jedem Haushalt werkeln unbemerkt hunderte IC und Microcontroller für uns. Egal ob Fernbedienung, Uhr, Telefon oder Schlagbohrmaschine, Radio, Fernseher, Smartphone oder Waschmaschine - nichts geht mehr ohne Mikrocontroller und kundenspezifische IC. Für die Pioniere war es ein steiniger Weg voller Mühsal und Entbehrungen. Oft als Spinner belächelt, hatte man den eigenen Weg zu finden.

Mit TTL-Schaltkreisen und ersten Ein-Chip Operationsverstärkern begann Ende der 1960er Jahre das Zeitalter der Mikroelektronik. Spätestens mit dem erstem frei auf dem Markt verfügbaren Mikroprozessor, dem Intel 4004, war ab 1971 die Tragweite dieser Entwicklung international nicht mehr zu übersehen.

Nachdem Julius Edgar Lilienfeld aus Lemberg bereits 1926 den Feldeffekt-Transistor patentieren ließ (heute meist als MOS-, MOSFET- oder Unipolartransistor bezeichnet) ohne allerdings ein funktionierendes Muster herstellen zu können, stellten John und Walter Bardeen unter William Shockley 1947 einen ersten, halbwegs funktionierenden Bipolartransistor als Spitzentransistor vor.

Aber die Herstellung der Spitzentransistoren war kaum beherrschbar. Erst mit den besser beherrschbaren Flächentransistoren begann die Mikroelektronik-Revolution. Der Transistor eroberte in den fünfziger Jahren die Welt [62] und löste innerhalb weniger Jahre fast überall die Elektronenröhre ab. Zunächst waren die Transistoren für Funkempfänger und Verstärker interessant - mit im Vergleich zur Röhre winzigem Gewicht, Bauvolumen und Leistungsverbrauch. Auch arbeitete der Transistor mit kleinen Betriebsspannungen (3 bis 9 Volt), die direkt einer kleinen Batterie entnommen werden konnten. Plötzlich gab es Taschen- und Kofferradios! Die Jugend war fasziniert davon. Jeder schleppte seine "Heule" mit sich herum. Aber Transistoren waren teuer. Mein erstes Taschenradio "Orbita" mit 8 Transistoren bekam ich 1968 zur Jugendweihe, es hatte 195 DDR-Mark gekostet. Sehr viel Geld für damalige DDR-Einkommen.

Anfangs kostete ein OC821 im RFT-Bastlerladen in der Kastanienallee etwa 21 DDR-Mark. Bei 50 Pfennig Taschengeld war das unbezahlbar. Zum Glück aber kamen bald die "Bastlertypen": Transistoren, deren Parameter vom Datenblatt abwichen. Die waren erschwinglich, man bekam sie für 50 Pfennige, später noch billiger. Aber man hatte sie auszumessen, meist hatten sie zu großen Reststrom oder eine zu geringe Stromverstärkung.

In der Kastanienallee wollte ich auch meine ersten Widerstände kaufen. Unser Mathe- und Physiklehrer Eberhard Miegel hatte an der 13. Oberschule Berlin-Heinersdorf eine Arbeitsgemeinschaft "Elektronik" gegründet. Wir berechneten als erstes einen Multivibrator (Blinkgeber). Ich ging hin und wollte einen Widerstandswert von 15625 Ohm kaufen. "Sowat ham wer nich!" antwortete die (Fach-) Verkäuferin. Ein älterer Herr hinter mir half: "Dann stückelste den Wert eben zusammen oder du nimmst den nächsten, runden Wert!". Der Multivibrator funktionierte schließlich auch mit gerundetem Wert.

Bild 11: Einer der ersten (noch nach 65 Jahren funktionierenden) Germanium-Flächentransistoren (vermutlich ein OC601 von TFK, 1954), entstanden im Geburtsjahr des Autors. Das Gehäuse bestand hier aus einem schwarz lackierten Glaskolben. Elektroden v.l.n.r: Emitter, Basis, Kollektor.

Noch aber waren nicht mehrere Transistoren auf einem Substrat integrierbar. Dazu mußte erst die dielektrische Isolation in monolithischer Planartechnologie [72] erfunden werden. 1963 stellte Robert Noyce, einer der Gründerväter von Fairchild Semiconductor (1957) und Intel (1968), einen ersten monolithischen IC heutiger Bauart vor, auf dem 120 Transistoren galvanisch isoliert arbeiteten.

1963 stellte die Firma GTE-Sylvania unter der Bezeichnung SUHL (Sylvania Universal High Level Logic) ein erstes Sortiment von TTL-Schaltkreisen (Transistor-Transistor-Logic) vor. 1964 ging der TTL-Schaltkreis SN5400 (4 NAND-gates a 2 inputs) von Texas Instruments in Produktion. TTL-Logik wurde ab 1966 durch die SN7400-Serie im DIP-Gehäuse (Dual Inline Package) populär.

Intel-Mitarbeiter Nr.12, Ted Hoff, begann 1968 am Befehlssatz des Intel 4004 zu arbeiten.

Das Jahr 1971 war ein besonderes Jahr für die Mikroelektronik. Bei Intel brachte man den ersten, auf dem freien Markt verfügbaren Mikroprozessor auf einem Chip heraus, den Intel 4004. Er hatte etwa 2300 Transistoren in p-channel Silicon Gate Technology pSGT (-15 Volt, 0.75 MHz, self aligned gates, negative logic). Niemand verstand zunächst, wie so ein Ding funktioniert und was man damit machen kann. Es dauerte noch fünf Jahre, ehe es z.B. an der TU-Dresden eine Vorlesung dazu gab.

In der DDR wurde 1971 die Geburt erster, digitaler Logikschaltkreise gefeiert: Im HFO wurden erste bipolare TTL-Schaltkreise der Serie D100 (Nachbau des 7400) mit je 4 Transistoren und drei Dioden pro Gatter in SBC (siehe dazu auch [9] und [68]) produziert und im FWE gingen erste (wenig geliebte) unipolare Logik-Schaltkreise U101 bis U105, später bis U122 in Produktion (Vorbild-Serie MEM1000 von General Instrument, 1967). Diese hatten klassische PMOS Technologie (meist als EE Enhancement/Enhancement, als Lastwiderstand diente ebenfalls ein Enhancement-Transistor) mit zwei Betriebsspannungen -13 V und -27 V. Sie hatten negative Logik. Die Entwurfsregeln sind noch unter [79] zu finden. Der zeitliche Abstand der DDR zur Weltspitze (USA) betrug damals 10 bis 14 Jahre.

Bild 12: Mit dem Erscheinen erster, digitaler ICs erschien auch der erste integrierte Analogschaltkreis der DDR, der Differenzverstärker IK72. Entwickelt wurde er für das Interkosmos-Programm des AdW Institut für Kosmosforschung (AdW-IKF) in Berlin-Adlershof (heute DLR). Er besaß drei Transistoren, eine Diode und einen Widerstand. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Richard Kaussler, siehe auch die komplette Rückübersetzung auf seiner Seite [75].

Der IK72 bildete im Entwicklungszentrum des HFO in Stahnsdorf den Ausgangspunkt für den ersten, kommerziellen Operationsverstärker A109 der DDR (Nachbau µA709), der ebenfalls 1972 vorgestellt wurde und etwa ab 1974 marktverfügbar war. Die Innenschaltung des IK72 wurde von Richard Kaussler analysiert, siehe Aufsatz und Rückübersetzung in [75]. Es handelte sich um einen einfachen Differenzverstärker mit Stromquelle.

Was damals noch niemand ahnte: die Mikroelektronik würde sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur ersten, nur noch global funktionierenden Industrie dieser Erde entwickeln - mit Milliarden von Transistoren auf einem Chip. Heute (2018) enthält eine marktübliche 128 GigaByte (128 Milliarden Byte ~ 1000 Milliarden Bit) microSD-Speicherkarte (SLC) für rund 20 Euro einen Chip mit über 1 Billion (240 ~ 1e12) Transistoren [73]. Kein Staat oder Unternehmen weltweit ist noch in der Lage, alle zur Produktion erforderlichen Spezialausrüstungen selbst zu entwickeln und zu produzieren.

Aber die RGW-Staaten hatten ein Problem: Das 1949 von den USA gegründete CoCom sollte den Technologieexport in kommunistische Staaten verhindern. Und CoCom funktionierte einschneidend. Der kalte Krieg hatte begonnen.

Zu lange hatte man in der DDR, wie auch in der Bundesrepublik oder in der UdSSR die aus den USA kommende Mikroelektronik zu wenig beachtet. Im Politbüro des ZK der SED erkannte man die technologische Revolution der Elektronik zu spät. Zitat Walter Ulbricht [1]:

Zentrale, planwirtschaftliche Leitung der Industrie hatte in der DDR dafür gesorgt, daß sich nur wenige Firmen mit Mikroelektronik beschäftigten. Dennoch gab es Pioniere, die unter schwierigen Bedingungen damit anfingen [1], [76]. So wurde in der DDR mit einigen Jahren Verzögerung versucht, die Mikroelektronik-Revolution nachzuvollziehen. Von Anfang an war man in der Defensive, man entwickelte meist nach.

Der RGW war technologisch im Hintertreffen. Eigene Entwürfe konnten noch so genial sein, sie scheiterten mit wenigen Ausnahmen an der Forderung der Industrie nach Kompatibilität mit im Westen bereits vorhandenen Bauelementen. Die Forderung war insofern berechtigt, als der pin- und schaltungskompatible Nachbau der ICs die Entwicklung von Software, von Leiterplatten und Mechanik parallel zur Schaltkreisentwicklung gestattete. Auch konnten erste Serienprodukte mit importierten IC bestückt werden, was eine schnellere Markverfügbarkeit bedeutete. Letztlich war man damit schneller, als mit dem Eigenentwurf.

Allerdings bedeutete die Kompatibilitätsforderung auch einen Generalerzicht auf innovative, neuartige Produkte, mit denen man viel mehr "Valuta" (Westmark oder Dollar) hätte erlösen können. Für Nachbauten, die noch dazu mit mehr als zwei Jahren Verspätung auf den Markt kamen, interessierte sich der Weltmarkt eher kaum. Es sei den, sie wurden zu Dumping-Preisen angeboten.


Institut für Nachrichtentechnik (INT)

Erste Berliner Schaltkreise wurden ab 1979 im Institut für Nachrichtentechnik (INT) in Berlin-Schöneweide, Hauptstadt der DDR (Ostberlin) entwickelt. Gefertigt wurden sie im Halbleiterwerk Frankfurt/Oder (HFO), im Zentrum für Mikroelektronik Dresden (ZMD) und im Funkwerk Erfurt (FWE -> MME). Bei ersten Schritten halfen DDR-Halbleiterhersteller mit. Zum Ende der DDR (1989) hatte das Entwurfszentrum Schaltkreisentwurf des INT unter Dr. Volker Tüngler etwa 65 Mitarbeiter (Hauptabteilung ECE [31]), weitere vier Entwurfszentren waren in Ost-Berlin im Entstehen, [32].

Das Entwurfszentrum Mikroelektronik (EZµE) des INT wurde mit einem feierlichen Akt am 19.12.1979 gegründet. Hier wurde als Ziel die Entwicklung kundenspezifischer Schaltkreise für die Nachrichtentechnik fixiert. Erste Bestellungen waren ein automatischer Vielfach-Sondentaster AVT100 von Elektromat Dresden, ein Neophot2 von Carl-Zeiss Jena und der Import verzerrungsfreier Hostaphan-Folien (Mylar) für den Layoutentwurf. Diese sollten aber erst vier Jahre später geliefert werden, als wir schon mit Graphikbildschirmen am KULON (PDP8-Nachbau) arbeiteten und die Folie nicht mehr brauchten. Erst zu diesem Zeitpunkt waren sie Bestandteil des Volkswirtschaftsplanes geworden. Bestellt waren ursprünglich 100 Blatt, vier Jahre später kam eine ganze Palette voll, geschätzt 50 kg für etwa 25.000 DM (Westmark, damaliger Kurs zur DDR-Mark etwa 1:4) - die aber keiner mehr brauchte.

Die ersten, kundenspezifischen Schaltkreise (ASIC) waren für die Digitalisierung des Teilnehmeranschlusses, die Übertragung vieler Telefongespräche auf einem Leitungspaar im zeitlichen Multiplex (PCM) [53], [54], [55], sowie für erste, digitale Vermittlungszentralen [48], [49], [50], [51], [52] bestimmt.

Vorbei das Zeitalter der analogen Telefonapparate. Das digitale Zeitalter sollte beginnen. Erst damit wurden Internet, Email oder SMS möglich.

Das INT war das Forschungszentrum des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik mit 36.000 Beschäftigten in 19 Betrieben, siehe [63] Blatt 6 bis 9 und Profil in [46]. Zur Geschichte des INT findet man unter [7] einen Abriß mit interessanten Bildern. Wesentlichste Entwicklungsbereiche waren die Vermittlungstechnik (Vermittlungszentralen) und die Übertragungstechnik (Trägerfrequenz und PCM30/120/480/1920).

Das Telefonbuch des INT [33] gibt heute noch Aufschluß über die strukturelle Gliederung: Im INT waren alle Arbeitsgebiete vertreten, die mit Telefon, Funk und Nachrichten zu tun hatten. Gleich welches Wissen man brauchte: in irgendeinem Labor des Hauses war es verfügbar. Dieses deutschlandweit unvergleichliche Potential wurde dem Autor erst später schmerzhaft bewußt. Aber es war das Wissen von einer Nachrichtentechnik, die vom Internet schnell überholt wurde.

Institut für Nachrichtentechnik (INT, 1961-87), Zentrum für Forschung und Technologie der Nachrichtentechnik (ZFTN, 1987-90), Direktoren: Prof. Peter Fey 1961-1967, Dr. Peter Tietze 1967 bis 1969, Prof. Dr. Dietmar Lochmann 1969 bis 1986, Dr. Dietmar Bogk 1986 bis 1990. Umbenennung 1987 in ZFTN, 1640 Mitarbeiter (1989)

INT-Außenstellen (siehe [33]):

Sicherlich in Erinnerung an die ungezählten Genies des INT ist heute, 2019, am Turm des Hauptgebäudes (Edisonstr. 63) eine Leuchtreklame "Leuchtenfabrik" angebracht. Erbaut wurde das Gebäude als "Lampenfabrik Frister" in Etappen von 1897 bis 1916; siehe [85]. Nach dem Konkurs von Frister 1933 ging das Gebäude an die Wärmegeräte GmbH, ab 1952 produzierte hier der VEB Funkwerk Köpenick. 1963 zog das INT ein.

Leider kam das Aus mit der Wende unerwartet plötzlich. Den Mitarbeitern wurde gekündigt, im Tresor liegende Unterlagen flogen als NfD, VD, VS oder GVS aus dem Fenster direkt in riesige Müllcontainer auf dem Hof. Wenige Mitarbeiter wurden von SEL/ALCATEL und SIEMENS übernommen. Zehntausende Datenblätter und Datenbücher folgten. Der Immobilienwert hatte über den Menschenverstand gesiegt. Über Nacht verschwand Menschenwissen und Menschheitsgeschichte in unvorstellbarer Dimension.

Bei folgenden Schaltkreis-Fotos gibt der Schaltkreis-Aufdruck Auskunft über Hersteller und Produktionsdatum.

1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Zu diesen schreibt der letzte Direktor des ZFTN (INT), Dr. Dietmar Bogk:

Aufsätze von Dr. Bogk in der Zeitschrift "Nachrichtentechnik, Elektronik" (nte) haben die damalige Situation konserviert. Im Aufsatz [3] sind Trends und Stand der Bauelementeentwicklung der DDR-Nachrichtentechnik beschrieben. Im internationalen Vergleich war die Entwicklung eher bescheiden, siehe [96]. Die Aufsätze [5] und [6] repräsentieren den Stand der damaligen Produktentwicklungen der DDR-Nachrichtentechnik auf der Telecom87 in Genf und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1988. Insbesondere diese Quellen belegen, daß ein beachtlicher Entwicklungsstand erreicht wurde. Reste der Entwicklungen sind noch zu besichtigen z.B. im Computermuseum Halle [2] oder im Fernmeldemuseum Dresden [48]. Eine letzte Umstrukturierung des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik (KNE) vor der "Wende" mit dem Ziel der Effizienzsteigerung wird in [4] beleuchtet. Nicht zuletzt geben die Aufsätze [22] und [23] einen Überblick über damalige Arbeiten im INT.

Einen tieferen Einblick in den heute eher hilflos wirkenden Versuch, die extrem dynamische und komplexe Entwicklung der Nachrichtentechnik planwirtschaftlich zu steuern, geben die Planungsvorlagen [46] für den Ministerrat der DDR. Danach hätte die Produktion von digitaler Nachrichtentechnik auf Basis ISDN zu dem Zeitpunkt den Markt gedeckt (1997), als längst Netscape und Internet gefragt waren. Mit anderen Worten: Wenn die Leute nach dem Internet gerufen hätten, hätten sie endlich einen ISDN-Telefonanschluß (ohne Internet) erhalten.

Wie unübersichtlich die Entwicklung der Mikroelektronik geworden war, zeigt ein Reisebericht des Chefkonstrukteurs des FWE, Franz Rößler, aus dem Jahre 1988 [84]. Zentrale Steuerung der Mikroelektronikentwicklungen wurde zunehmend unmöglich, weil niemand mehr die Komplexität der zu treffenden Entscheidungen überblickte. Bei der Lektüre des Berichts aus heutiger Sicht fällt auf, daß etablierte Hard- und Software kaum vorkommen, so taucht der Name "Cadence" nicht auf. Diese Firma mauserte sich in dieser Zeit zum weltweit führenden Anbieter von CAD-Software für den Schaltkreisentwurf. Auch wird dem IBM-PC kaum Beachtung geschenkt, der spätestens mit dem ersten PC-Internet-Browser "Netscape" 1994 zur Nummer Eins des PC-Marktes wurde. Auch die damals vor "VHDL" stehende Hardware-Beschreibungssprache "Verilog" wird nicht benannt.

Das Grundproblem der planwirtschaftlichen Steuerung eines Wirtschaftssystems ist, daß man nicht vorhersagen kann, welche neue Technologie in kurzer Zeit zur nächsten, technischen Revolution führen wird. So wurde immer wieder auf "Halde" produziert. Ressourcen wurden verschwendet.


2 PCM30-Regenerator

Damals existierte noch keine Datenübertragung per Funk. Selbst bei utopischen Schriftstellern existierte noch nicht einmal die Vision eines Mobilphones heutiger Bauart (Touch-Display, Kameras, Telefon, Email, Internet-Browser, USB, LTE, GPS, WLAN, Bluetooth, NFC etc.). Ein Telefongespräch wurde analog übertragen. Jedes Gespräch benötigte dafür ein Adernpaar. Hin- und Rückkanal liefen auf diesem Paar, man trennte sie mit einer sog. Gabelschaltung auf beiden Seiten auf (Teilnehmer und Amt). Die Vermittlung erfolgte mittels mechanischer Relais-Schalter (Hebdrehwähler, Koordinatenschalter, zum Schluß Reed-Kontakte). Das Kapital der Telefongesellschaften waren 1980 die verlegten Kabel. Man rechnete, daß drei Viertel ihres Kapitals unter der Erde vergraben war. Mit dem Transistor entstand die Möglichkeit, mehrere Gespräche auf einem Adernpaar gleichzeitig zu übertragen: Im Frequenz- oder im Zeitmultiplex. Und man konnte damit die großen und störanfälligen Relais ersetzen.

Beim PCM30/32 System werden auf einem Adernpaar 32 digitalisierte Kanäle im zeitlichen Multiplex übertragen, zwei davon sind Dienstkanäle, deshalb die offizielle Bezeichnung PCM30/32. Allerdings ging das nicht bidirektional, sondern nur unidirektional, pro verlegtem Adernpaar konnte man nur je eine Richtung versorgen, über dieselbe Anzahl von Adernpaaren konnte mit PCM30 folglich die 15-fache Zahl von Gesprächen geführt werden. Zur Ablösung der analogen Telefonleitungen durch PCM wurden die alle zwei Kilometer vergrabenen Pupin-Spulen durch PCM-Regeneratoren ausgetauscht. Pupin-Spulen dienten vorher der Entzerrung des Frequenzganges bei analoger Übertragung, nun dienten deren Behälter der Aufnahme der PCM-Regeneratoren.

Mit dem ersten Berliner Schaltkreis (IC), dem KA601, sollte ein großer, etwa 25.000 Mark teurer, mit diskreten Transistoren und Übertragern aufgebauter PCM30/32-Regenerator-Modul des VEB Nachrichtenelektronik Greifswald (NEG, Abteilung von Herrn Janke, Tel.664556, Beratung am 23.9.1980) durch zwei Schaltkreise (KA601 [60], [8], [9], [10] und KA602 [11]) abgelöst werden. Vom Leistungsumfang entsprachen die ICs etwa dem, was 25 Jahre später unter dem Begriff "DSL-Modem" das Ethernet zu uns nach Hause brachte. Siehe auch eine detailierte Analyse des Chips von Richard Kaussler [110].

Mentor der Schaltkreisentwicklung war Dr. Ingomar Krahl. Er hatte an der TU Dresden auf dem Gebiet der bipolaren Transistormodellierung (Ebers-Moll und Gummel-Poon) sowie auf Integrierter Injektionslogik (I²L) bei Prof. Wolfgang Albrecht promoviert und brachte dieses Wissen zusammen mit profunden Programmierkenntnissen und großer Offenheit und Herzlichkeit mit ins INT.

Unter Leitung von Dr. Dietmar Bogk organisierte Ingomar Krahl den fachlichen Aufbau des Entwurfszentrums: Nicht nur fähige und engagierte Mitarbeiter waren zu finden, auch Räume, Ausrüstungen, Gelder und Rechentechnik waren zu beschaffen. Das war nicht unkompliziert, da die Mittel stets ungeplant waren und ein hoher Anteil an Beschaffungen mit Dollar oder D-Mark (DDR-Ausdruck "Devisen") bezahlt werden musste.

Im Rahmen einer Studie (Abschluß als Neuerervereinbarung NV7490 vom 29.8.1980) wurde im Januar 1980 im Bereich Ü (Übertragungstechnik) mit dem Systemkonzept des Gerätes PCM-Regenerator auf Basis KA601 [60] begonnen: Eilert: Systemeigenschaften, Behnke/Lohberger: Entzerrerverstärker; Höppner: Taktrückgewinnung, Neumann: Sendestufe. Die erste Beratung fand am 29.2.1980 statt (Kalendereintrag GH). Das Takt-Jitter der gesamten Regeneratorkette (maximal waren 18 in Reihe schaltbar) war zu minimieren, dazu wurde eine LC-Taktrückgewinnung favorisiert. Verstärkungen und Phasenspielräume der internen OPV wurden fixiert.

Der erste ISA-Master des HFO hieß IA60, er war in "Standard Buried Collector" Technologie (SBC) bipolar realisiert [9], [57], [68], [70], [71]. Bauelementeparameter des IA60-Masters und deren Simulationsmodelle sind unter [106] zu finden.

(Bis zur Verfügbarkeit der unipolaren Technologien (PMOS, NMOS alias nSGT, CMOS alias CSGT) war die SBC-Technologie weltweit die grundlegende, (bipolare) Basistechnologie der Mikroelektronik, mit der sowohl erste digitale, als auch erste analoge Schaltkreise produziert wurden.)

Die Schaltungsentwicklung begann neben Restarbeiten zum Übungsprojekt Intel 8279 im Februar 1980. Schaltungsentwurf, Berechnung, Simulation und Layout lagen beim Autor [68], die Gestaltung der Schaltungsumgebung unterstützten insbesondere Manfred Höppner (ÜL2), Hans-Uwe Behnke (ÜL3) und Dr. Manfred Brandes (ÜL1). Idelle Vorbilder waren die Schaltkreise EXAR XRC262 und XRC277.

Parallel dazu wurde im Entwurfszentrum ein Team (ECE3) aufgebaut zur Entwicklung der Prüftechnik und der Simulationsprogramme unter Günther Warme und Volker Otto, siehe [31].

Ein Blick ins Telefonbuch verrät auch, wer es in die Wikipedia schaffte. Unser Software-Abteilungsleiter (ECE4) Matthias Oldag verließ uns, um sich seiner Leidenschaft, der Musik, intensiver widmen zu können.

Anläßlich des Besuchs einer Tesla-Delegation hielt der Autor am 23.4.1980 einen ersten Vortrag zum Konzept und zu den Vorbildern des PCM-Regenerator-Entwurfs, den IC XRC262 und XRC277 [95]. Da im Tausch gegen Erdöl und Erdgas 70% der Nachrichtentechnik der DDR nach der Sowjetunion ging, wurden extreme Temperaturanforderungen gestellt (+80...-40°C). Erste Rechnungen zeigten, daß gegenüber den XRC-Lösungen besondere Stabilisierungsmaßnahmen von Strömen und Spannungen erforderlich waren (Kalendereintrag vom 11.7.80). Daraus entstand das Patent "Schaltungsanordnung fuer kombinierte, temperaturstabile Referenzspannungs- und Referenzstromquellen" (Bestandteil des KA601) [44].

Allerdings brachte der erhöhte Schaltungsaufwand ein neues Problem mit sich: der Schaltkreis mußte in zwei IC (KA601 und KA602) aufgeteilt werden. Am 11.6.1980 war der Abschlußbericht der NV7490 fällig, am 12.6.1980 wurde das Konzept im HFO bei der Entwicklungs-Leiterin Erika Godau im "Roten Salon" im Halbleiterwerk Frankurt/Oder vorgestellt.

Im Entwicklungsbereich war unter Leitung von Erika Godau (EE) und Fritz Schackow (EEC) durch Gerhard Neugebauer und Hanno Fulde (EECA) ein Master-Slice-System IA60 ("Meisterscheibe") nach dem "Monochip"-Vorbild von Ferranti entstanden, [64]. Mit Transistoren und Widerständen belegte Chips wurden auf einem Silizium-Wafer vorproduziert, der Kunde konnte in der obersten Ebene eine einlagige Verdrahtung (in Aluminium) gestalten. Mit diesem System ließen sich kleine Stückzahlen kundenspezifischer Schaltkreise schnell und kostengünstig produzieren. HFO hatte keinerlei freie Entwurfskapazitäten, man konnte nur ein VT100-Terminal zur Verfügung stellen, der Kunde hatte Layoutprüfungen mit der HFO-Software selbst zu machen.

Von Hanno Fulde und Gerhard Neugebauer (HFO) erhielt ich den auf Millimeterpapier geplotteteten ISA-Master IA60, siehe [9], [57], [68]. Er war auf viertel Millimeter als Ganzes geplottet. Mit Bleistift wurde der Alu-Layer des Kunden (INT) darauf konstruiert. Der Entwurf wurde dann an einem Robotron-Zeichenbrett mit Lupe auf 1/4 mm digitalisiert. Dabei entstanden etwa 2000 Abstandsfehler.

Die Überleitungsberatung zum PCM-Regenerator fand am 10. Oktober 1980 im Halbleiterwerk Frankfurt/Oder (HFO) statt. (Neben dem Entwurfszentrum des HFO wurde auch ein nagelneuer "Tester 2000" besichtigt, eine Eigenentwicklung aus dem HFO).

Bild 20: Autor bei der Arbeit an einem Testfeld am Digitalisier-Zeichenbrett "Robotron REISS DIGITRON" (um 1980). Daneben stand ein Orgautomat Daro-Optima 528 mit zwei Displays NC410 sowie einem Lochbandstanzer. Bild eines Daro-Optima 528 aus dem Computermuseum Halle.

Die Daten liefen über zwei Display-Einheiten NC410 mit Nixie-Röhren (sie zeigten die aktuelle x- und y-Koordinate an) parallel zu einem Orgautomaten (vermutlich Daro Optima 528) mit einen Lochstreifenstanzer. Mit dem Druck auf den zentralen Drehknopf des Zeichenbrettes wurden x- und y-Koordinate gestanzt, der Stanzer machte dann ein Geräusch der Art "Ratteldibum".

Auf das Plotbild des Masters aus dem HFO wurde mit Bleistift das Layout gezeichnet. Weil der Master auf viertel Millimeter genau geplottet war und der Entwurf nun auch auf viertel Millimeter digitalisiert werden mußte, entstanden Unmengen an Eingabefehlern. Eine Vierteilung des Entwurfs war noch nicht möglich, HFO hatte noch kein Programm zur Verfügung, um die Stücke wieder zusammensetzen zu können. Unsere erste Software-Entwicklerin Christiane Krahl entwickelte zur Abhilfe ein 4x4-Punkt Papier-Entzerrungsprogramm für die Koordinaten, um den Papierverzug vor der Digitalisierung zu reduzieren. Vor Arbeitsbeginn waren nun stets 16 Referenzpunkte für die spätere Entzerrung einzugeben.

Bild 21: Ausschnitte aus dem Plotbild des Masters IA60 (magenta) mit der Alu-Kundenmaske eines KA601 (schwarz)

Je nachdem, wie weit man kam, entstanden an jedem Arbeitstag einige Lochstreifen-Stücken, diese wurden zusammengeklebt. So entstand allmählich eine Lochbandrolle mit dem kompletten Layout. Im Oktober 1980 brachte ich das fertige Lochband ins Halbleiterwerk Frankfurt/Oder (HFO), um die Einhaltung der Entwurfsregeln zu prüfen. Ein Layoutprüfprogramm gab es im HFO bei Hanno Fulde und Co. auf einer DEC-PDP8 bereits, aber weder Grafikbildschirm noch Grafikeditor. Alles passierte mit einem Texteditor (TECO - "Tape Editor and Corrector" oder EMACS?) und ASCII.

Von Ende Oktober bei Weihnachten 1980 arbeitete ich im HFO, um die Fehler (meist die digitalisierten Viertelmillimeter) mittels Texteditor auf einem VT100-Terminal an einer PDP8 zu beseitigen. Ich fuhr täglich im ungeheizten Zug von Berlin nach Frankfurt/Oder hin und zurück. "Für die paar Pendler lohnt es sich nicht, den Zug zu heizen" verkündete der Schaffner. Völlig verfroren zurück zu Hause in Berlin-Pankow hatte man Kohlen aus dem Keller zu holen und den Ofen zu heizen. Erst eine Stunde später wurde es warm im Zimmer. Heute, im Zeitalter der Gas- oder Öl-Zentralheizungen unvorstellbar: Man fror im Winter erbärmlich - ein Zustand, den die heutige fridays4future-Jugend wohl bald kennenlernen wird.

Bild 22: Blockschaltung von KA601 (li.) und KA602 (re.). Man erkennt beim KA601 fünf Operationsverstärker, sowie zwei Blöcke zur Erzeugung stabilisierter Referenzspannungen. Der KA602 enthält zwei D-Latches, Strobe-Erzeugung und Gegentakt-Endstufen. Siehe auch den HFO-Werkstandard der IC KA601 und KA602 [60].

Dieser erste IC des INT (KA601) war nicht nur der erste Berliner IC, sondern auch der erste Kundenschaltkreis der DDR und das erste DDR-Gate-Array in klassischer Bipolar-Technologie (SBC). Damals war der Begriff Gatearray noch nicht üblich, man sprach von Master-Slice (Meisterscheibe).

Layoutfreigabe war unmittelbar vor Weihnachten 1980 im HFO. Im Frühjahr 1981 erhielten wir erste Muster. Version 1 [8], [10] hatte einen Kontakt zuviel, der im HFO unter dem Mikroskop mit einem Spezial-Laser ausgebrannt werden konnte, siehe Bild. In Version 1 entstanden damit 5 funktionierende Chips. Um mehr über Transistoren und Technologie zu erfahren lohnt sich auch ein Blick in Richard Kausslers Analyse des Chips [110].

Bild 23a: Ein fehlerhafter Kontakt in Version 1 konnte ausgebrannt werden. Bild von Richard Kaussler [110].

Die Chips wurden in der hauseigenen Hybridtechnik (Horst Schulenburg) auf ein dafür entwickeltes Glassubstrat (siehe Bild 23) gebondet. Version 2 wurde in ein DIL24-Gehäuse gebondet. Erst später folgte ein DIL18-Gehäuse.

Siehe dazu ein Layout und Plotbild des KA601 [8] sowie Blockschaltung, Bondschema, Innenschaltung, Plotbild und Layoutfoto [47].

Bild 23: Chipfoto vom ersten Berliner Schaltkreis KA601 Version 1. Neben der Typbezeichnung ist die Layer-Nummer "1", ein INT-Telefon und die Kürzel "IK" und "GH" im Alu-Layer zu erkennen. Klick auf das Bild: Fotografie eines noch vorhandenen Ausschuß-Chips von Richard Kaussler. Siehe auch hochauflösende Detailaufnahmen des KA601 auf seiner Seite [110].

Mitarbeiter und Berater: Systementwurf, Regelungstechnik und Filtertheorie: Manfred Höppner u.a.; Stadynet Herr Geupel, Transistor-Modelle: Ingomar Krahl; Schaltungstechnik und Layout: Gerd Heinz; Zyklus II: Volker Tüngler, Horst Schulenburg; Testprogramme und Pincards: Volker Tüngler, Volker Otto, Technologie Master-Slice: Gerhard Neugebauer (HFO), Hanno Fulde (HFO); Berechnungen, Schaltungstechnik, Simulation und Layout: Gerd Heinz; Ideelle Basis bildeten die ICs EXAR262 und EXAR277 [95], siehe auch [8], [9], [10], [11], [68].

Bild 24: KA601 V2 und V1 dahinter: Gerd Heinz; V3 bis V5: Volker Tüngler (VT)

Bild 25: links: Plot KA601 V4: Volker Tüngler; rechts im 18-poligen DIL-Gehäuse 01/1985

(04/1983)

Bild 26: KA602, Digitalteil PCM-Regenarator. Schaltungsentwurf: Gerd Heinz, Volker Tüngler, Manfred Höppner; Layout Volker Tüngler

In Auswertung der Testprobleme wurde u.a. ein Schaltkreistester von Schlumberger aus Frankreich beschafft, mit dem die Funktion von Schaltkreisen einfacher getestet werden konnte einschließlich der Möglichkeit zur Testung direkt auf dem Chip. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe für Prüffolgenentwicklung und Schaltkreistest unter Volker Otto aufgebaut.

Mit diesen ersten zwei IC war im Institut für Nachrichtentechnik Wissen zur Entwicklung eigener Schaltkreise für elektronische Vermittlungssysteme entstanden. Der HFO-Werkstandard ist noch verfügbar [60]. Erste Schaltkreise wurden in eine PCM-Versuchsstrecke eingebaut. Diese lief viele Jahre und wurde erst gegen Ende der neunziger Jahre abgebaut. Leider wurde die Technik entsorgt. Wahrscheinlich sind keine Exemplare des PCM-Regenerators als Baugruppe erhalten.

Erfahrungen mit dem Entwurf des KA601 flossen später in den Entwurf des universellen ZF-Verstärkers und Demodulators KA630 durch Thomas Birke vom Funkwerk Köpenick ein [109].


3 Digitaler Teilnehmeranschluß

Außer Braunkohle, Salz und Uran besaß die DDR kaum Rohstoffe. Die Wirtschaft war in hohem Maße importabhängig. Im Verhältnis zu einer elektronischen Zentrale wog eine mit Relais arbeitende etwa zehn bis zwanzig mal soviel pro Teilnehmer. Ein Großteil des Gewichts der Relaisspulen steckt im Kupfer der Spule. Aber besonders Edelmetalle für die Relaiskontakte bereiteten in der DDR große Probleme. Auch ist die Verlustleistung von Relais um ein vielfaches höher, als die von Transistoren. Somit schien der Übergang zur elektronischen Vermittlungstechnik unvermeidlich.

Gewichtseinsparungen wurden in der Nachrichtentechnik weltweit in Etappen realisiert, vom Hebdrehwähler auf Koordinatenschalter auf Reedkontakte auf Transistorschalter. Nur kann man Transistoren nicht als direkten Ersatz für Relais nutzen. Vorab hat man das Analogsignal zu digitalisieren.

Um Kosten zu sparen, versuchte man (wie wir heute wissen) in der Vermittlungstechnik recht erfolglos, Entwicklungen im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) abzustimmen. Im INT glaubte man an den Erfolg des dezentral organisierten System 12 von ITT/Alcatel. Im RGW war man eher den einfacher gestrickten, zentral gesteuerten Anlagen von der Art EWSD zugeneigt. Diese setzten sich letztlich auch durch. Mit dem digitalen ISDN-Anschluß (Basic-Rate-Interface BRI) liebäugelten beide Typen, allerdings erwies sich die digital-Umstellung der bislang analogen Teilnehmerapparate als volkswirtschaftlich nicht zu bewältigende Herausforderung. So ist dem Autor bislang kein DDR-Telefon bekannt, das einen digitalen ISDN-Anschluß (Zwei- oder Vierdraht, UK0 oder S0) bietet.

In einem ersten Schritt entstand in den 70ern das teilelektronische Vermittlungssystem ENSAD [56], das bereits mit elektronischer Steuerung auf der Basis von Standard-RTL/TTL/CMOS-Schaltkreisen und Reed-Kontakten als Analogschalter softwaregesteuert arbeitete (vergleichbar mit dem System EWS-A von Siemens). Zentrales Problem war bis zur Wende die Bauelementebeschaffung. ENSAD wurde beständig weiterentwickelt, ich erinnere mich an einen Kollegen von VT, der eine Karte zum siebenten mal mit anderen Bauelementen zu realisieren hatte. Im Tausch gegen Erdöl wurde ENSAD zwar in großem Umfang, aber hauptsächlich für den Export in die Sowjetunion produziert. Einen Einblick in Entwicklungen des INT zeitlich vor Beginn des Schaltkreisentwurfes gibt [7].

Parallel zu ENSAD und parallel zu westlichen Entwicklungen entwickelte eine Gruppe unter Bereichsleiter Vermittlungstechnik Dr. Peter Tietze ein eigenes, vollelektronisches Vermittlungssystem namens IDN (Integriertes, Digitales Netz).

Die Pflichtenhefte waren von Rolf Simon (Bereich V - Vermittlungstechnik) bereits geschrieben, verschiedene Module bereits als Prototypen entwickelt, ein eigener PCM-Sende- und Empfangsschaltkreis war gegen 1984 bei uns bis auf letzte Verifikationen fertig, siehe Bilder in [19] und [74], als eine INT-weite Kehrtwende erfolgte: Um keine Alleingänge zu riskieren, wollte man auf den System-12 Standard aufspringen. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, wurden unter höchster Geheimhaltung Unterlagen zum System 12 beschafft und an wenige, speziell GVS-geheimnisverpflichtete Mitarbeiter übergeben. Damit sollte die DKS-Zentrale entwickelt werden. Parallel dazu sollten die Koppelfeldschaltkreise im DVS-Projekt entwickelt werden. Schlußendlich sollten die eigenen Schaltkreise in die zu produzierende Zentrale DKS (siehe Kap.9) eingebaut werden. Damit sollte Zeit eingespart werden, wenn Software und Hardware weitgehend parallel entwickelt werden können. Soweit die Theorie.

Die Praxis aber sah ganz anders aus. Für beteiligte Ingenieure bedeutete es einen kulturellen Bruch, nahezu das Ende eigener Befähigung. Es bedeutete, vollkommenes Neuland zu betreten und vollkommen von vorn beginnen zu müssen. Und es bedeutete, Geräte nachbauen zu müssen, die man im Detail oft nicht verstand. Der Begriff der "Layoutknechte" machte die Runde. Auch bedeutete es unendliche Geheimniskrämerei. Nicht alle Projekt- Gruppen- oder Abteilungsleiter waren GVS-verpflichbar (GVS: Geheime Verschlußsache). Nicht alle wußten alles. Die GVS-verpflichteten Mitarbeiter aber wußten oft mehr, als die anderern Kollegen und als ihre (fachlichen) Leiter, durften aber darüber nicht reden. Dadurch bekamen Mitarbeiter oft - aus ihrer Sicht - unsinnigste Arbeitsaufträge. So wußte mein Hauptabteilungsleiter von dem, was meine Abteilung tat, überhaupt nichts. Er durfte nicht einmal unser Großraumbüro mit der Rechentechnik betreten, die blieb für ihn lange geheim. Es entstand ein undurchdringliches Kuddelmuddel bei den Entwicklungsarbeiten. Die linke Hand wußte nicht, was die rechte Hand tat.

Hatte man noch dazu Verwandte im Westen (mein Vater lebte in Westberlin), so war man vom erlauchten Kreis in entscheidenden Fragen oft ausgeschlossen, obwohl man vielleicht gerade hier der Fachmann war und ebenfalls eine GVS-Verpflichtung unterschrieben hatte. Genutzt hat dieser Umbruch nur wenigen, speziell geheimnisverpflichteten Mitarbeitern, die damit Karriere machen konnten. Für mich wurde es Zeit, mich nach einer Wirkungsstätte umzusehen, an der ich wieder forschen konnte. Mit Fertigstellung der DVS-Schaltkreise wechselte ich 1987 zur Akademie der Wissenschaften. Wie kompliziert die Situation war, zeigt ein Stasi-Bericht [104] von 1982. Allerdings sollte dieser nicht überbewertet werden, denn nur wo gehobelt wird, fallen Späne. Oder wie Horst Bosetzky sagte: "Unter jedem Dach wohnt auch ein Ach!".

Leider blieb es bis zur Wende beim System-12 und beim ISDN-Alleingang des INT. Und auch dieser reichte nicht bis zum digitalen ISDN-Teilnehmeranschluß, der war auch 1989 noch nicht einmal begonnen.

Zunächst aber war der klassisch-analoge Teilnehmeranschluß zu digitalisieren. Aus dem Analogsignal der Sprache waren digitale Abtastwertefolgen zu machen und umgekehrt.

Bild 31: Prinzip der Analog-digital Wandlung beim Teilnehmeranschluß. SLIC: B384 bis B387; NF-Sprachbandfilter U1001; Coder/Decoder (CODEC) U1011; STS: Teilnehmer-Anschlußsteuerung (KD310, später U1550), ZLS: PCM-Zeitlagensteuerung U1021. Linien: Rot: Analogsignal; blau: Digitalsignal. Der IASS U1550 vereinte die Funktionen von Anschlußsteuerung (STS, KD310) und PCM30-Zeitlagensteuerung (ZLS, U1021). Siehe dazu auch detailierte Chipanalysen von Richard Kaussler unter [111].

Um die in der DDR vorhandenen, analogen Telefonappparate auf Basis der Schaltungstechnik des Standard-Telefons W38, oder dessen Nachfolgern W58 oder W63 anschließen zu können, wurde unter Federführung von Uli Manicke [102] der Teilnehmer-Anschluß (Subscriber-Line-Interface-Circuit - SLIC) (Komplex B38x) entwickelt.

Je höher die Spannung auf der Telefonleitung ist, je länger kann die Anschlußleitung sein. Gefordert waren für Deutschland 60 Volt, für Sibirien 120 Volt, erreicht wurden 90 Volt. Für die Schaltkreise B384 bis B387 war im HFO eine spezielle, bipolare Hochvolttechnologie entwickelt worden, die damals international zu den Spitzentechnologien zählte. Wenn ich mich recht erinnere, war es der erste SLIC ohne Übertrager (Transformator) weltweit.

Um das Sprachsignal zu digitalisieren, war ein Coder/Decoder (CODEC) zu entwickeln, siehe Datenblatt [66]. Dieser setzte ein bandbegrenztes Sprachband voraus. Dazu wurde ein Bandpaßfilter (300 Hz bis 3,2 kHz) erforderlich, um unterhalb der halben Abtastrate (die PCM Abtastrate war 8 kHz) steil "zuzumachen" und Netzbrummen (50 Hz) nicht durchzulassen, siehe Datenblatt [66] und Analyse [111]. (Das Prinzip des viel einfacheren Ein-Bit-ADC, des Delta-Sigma AD-Wandlers, der mit extrem hoher Überabtastung und mit einem einfachen RC-Tiefpaß quasi ohne NF-Filter auskommt, setzte sich erst viel später weltweit durch).

Mit einer nichtlinearen 8-Bit Quantisierung ("A-law") entstanden im CODEC aus einem Sprachkanal 64 Kilobit pro Sekunde (8 Bit pro Sample, 8 kHz Abtastrate, Sprachband bis 3,2 kHz). Die nichtlineare Quantisierung nutze man, um nur 8 Bit pro Sample übertragen zu müssen. Zur Verarbeitung wurde das 8-Bit Signal intern auf 13 Bit (+/- 4096 Werte) gedehnt. Der CODEC war in der Lage, pro Sample ein Pulspaket von 8 Bit mit 2 MHz auszugeben. Mit der Zeitlagensteuerung (ZLS) konnte damit direkt ein PCM30-Datenstrom zusammengesetzt werden, siehe [66], [111].

30 solcher digitalisierten Sprachkanäle wurden auf einer Busleitung als PCM30 zusammengefasst. Pro Adernpaar konnten mit PCM30 zwischen Ortszentralen (OZ) und Nebenstellen (NZ) 15-mal mehr Daten ausgetauscht werden als mit analogen Leitungen bei ENSAD (PCM30/32: z.B. 15 im Hinkanal, 15 im Rückkanal). Der CODEC arbeitet auf der Digitalseite mit Datenraten von 64 kb/s bis 2 Mb/s. Der Zeitschlitz im PCM-Rahmen wird von der Zeitlagensteuerung (U1021, später U1550) vorgegeben, siehe [102].

Um analoge Telefone über große Entfernungen treiben zu können, wurden die Hochvolt-Schaltkreise des Subscriber-Line-Interface-Circuits (SLIC) Komplex entwickelt. Der SLIC-Komplex bestand aus vier IC ( [87] bis [90]) und vereinigte die sog. BORSCHT-Funktionalitäten, bestehend aus: Battery Circuit, Overvoltage Protection, Ringing, Signaling, Coding, Hybrid coil (Gabelschaltung), Testing.

Gesteuert wurde über die Steuerschaltkreise (STS) KD310, später U1550. Bilder der Zentralen, in denen die Schaltkreise genutzt wurden, finden sich in Kap.9 sowie hier: [48], [49], [50], [51], [52].

Bild 32: Im INT entwickelte Schaltkreise für digitalen Teilnehmeranschluß. Oben: NF-Sprachbandfilter U1001, Coder/Decoder U1011, Teilnehmersteuerung U1550 alias U1500PC050. Unten: Subscriber-Line-Interface Circuits SLIC-Komplex B384 bis B387.

4 Codec/Filter-Schaltkreise (CSGT2)

Am 15.5.1980 fand im INT die Eröffnungsverteidigung zum CODEC/Filter Komplex unter Uli Manicke statt (Nachruf siehe [105]) . Am 28.5.1980 hielt Uli den ersten Vortrag über das geplante Konzept (persönliche Notizen siehe [102]). Für den Entwurf der IC standen Helmut Teubner, Gerhard Klinger, Petra Schulze und Jürgen Funke. Chipfotos von Richard Kaussler verraten, daß das Layout wohl überwiegend im ZMD entstand, [111]. Die auf dem Chip zu findenden Initialen PK oder KP oder dK oder Kd verweisen darauf. Sie sind dem INT-Telefonbuch nicht zuordenbar.

Die Schaltkreise erledigten die Niederfrequenz-Bandbegrenzung (U1001), die analog-digital-Wandlung (U1011), die Teilnehmer-Steuerung (U1021) und die Einordnung des Samples in einen PCM30/32 Datenstrom (U1021). Die damals neueste Technologie der geschalteten Kapazitäten (Switched Capacitor) verlangte Anstrengungen zu Simulation der Schaltungen auf Transistorniveau, [111]. Technologiestandard war die CSGT2 (Complementary Silicon Gate Technology). Stadynet-Transistormodelle für die Simulation kamen vom ZMD (Herr Podsziech). Siehe die Datenblätter von U1001, U1011, U1021 in [103] und [66]; Reste des Transistormodells [65] sowie eine Beschreibung der Technologie unter [18]. Der TGL-Standard ist nur noch vom U1001 verfügbar unter [91].

Die Schaltkreise Codec und Filter (U1011 und U1001) waren die einzigen (Ost-) Berliner IC, die illegal nachgebaut wurden. Bei einem Besuch des ESVT-Chefentwicklers bei VEF in Riga wurden 1989 die (durch INT nicht genehmigten) Nachbauten stolz dem Hauptabteilungsleiter EVT Bernd Gansert präsentiert, so berichtete er.

Bilder der Zentralen, in denen die Schaltkreise genutzt wurden, finden sich hier [48], [49], [50], [51], [52].

Ein Mathematiker im INT, Dr. Karl-Adolf Zech "Ali", nahm die beginnenden CMOS-Bemühungen zum Anlaß, in der Freizeit ein Programm zur Synthese von CMOS-Transistorschaltungen ausgehend vom gewünschten Gattertyp zu entwickeln, [36]. Parallel dazu erfolgte im ZMD, assistiert von Helmut Teubner's Arbeitsgruppe im INT, die Entwicklung erster sog. "Standardzellen" für CMOS-Grundgatter , siehe den U1500-Standardzellkatalog des ZMD in [35] und [18]. Mit dem Standardzellansatz wurde die Synthese recht schnell überholt. Der Standardzell-Entwurfsstil setzte sich für CMOS weltweit durch, weil er viel Entwurfszeit für das Layout einspart, siehe auch Bilder 7 und 9.

Bild 41: U1001 NF-Filter [91] - Antialiasing-Filter 300 Hz ... 3,4 kHz mit geschalteten Kapazitäten. Gehäusefoto von Rüdiger Kurth. Hintergrundfoto von Richard Kaussler. Siehe auch seine hervorragende Analyse in [111]. Layout: PK ZMD. Simulationen und Verifikationen: Helmut Teubner, Gerhard Klinger, Petra Schulze; Systementwurf: Uli Manicke u.a.. Erster CMOS-Vollkunden IC der DDR, 1983 (ASIC).

Bild 42: U1011 Codec (Coder/Decoder 8Bit, A-law ITU G.711) mit geschalteten Kapazitäten. Gehäusefoto von Rüdiger Kurth. Hintergrundfoto von Richard Kaussler. Siehe auch die hervorragende Analyse in [111]. Layout: ZMD. Simulationen und Verifikationen: Helmut Teubner, Gerhard Klinger, Petra Schulze, Christhard "Otto" Landgraf; System: Ulrich Manicke u.a.

Bild 43: U1021 - Zeitlagen- Steuerschaltkreis (ZLSS) im Gehäuse vom Januar 1987 - kein Chipfoto / kein Plot mehr vorhanden, kann jemand helfen? Foto von Rüdiger Kurth. Layout: Jürgen Funke, Petra Schulze. Der Entwurf des U1021 wurde zwar bereits auf der Ziellinie vom U1550 überholt, ging aber dennoch in die Zentralen OZ100 und NZ96 ein, deren Entwicklung zu weit fortgeschritten war.

Bild 44: U1550 (U1500PC050) - Integrierte Teilnehmer-Anschluß-Steuerung (IASS), vlnr. Chipfoto, Plotbild vom 30.1.1985, ZFTM-Gehäuse vom Mai 1987. Siehe auch Richard Kausslers Analyse in [111]. Siehe auch ein Bild mit hoher Auflösung hier (23 MB). Layout: Jürgen Funke, Petra Schulze, Gerd Heinz; System: Thomas Wehren, Rolf Simon, Uli Manicke, Dr. Detlef Schumann.

Der IASS U1550 vereinte die Funktionen von Anschlußsteuerung (KD310) und Zeitlagensteuerung (U1021). Er war der erste CMOS-Standardzell-Schaltkreis der DDR. Er war 1984/85 mit dem Standardzellkatalog U1500 des ZFTM in CSGT2 entwickelt worden [18], [35]. Die Verdrahtung der Standardzellen erfolgte noch manuell, d.h. jede Leitbahn wurde noch aus Rechtecken zusammengesetzt, siehe Layoutbild. Kurioserweise erfolgte die Entwicklung als Neuerervereinbarung eigentlich nebenbei, da alle Mitarbeiter bereits bei anderen Entwicklungen eingebunden waren.


5 SLIC-Komplex (Bipolar-Hochvolt Technologie)

Um analoge Telefone über große Entfernungen treiben zu können, wurden die Hochvolt-Schaltkreise des SLIC-Komplex (Subscriber Line Interface Circuit ~ Teilnehmeranschluß) entwickelt. Der SLIC vereinigt die BORSCHT-Funktionalitäten, bestehend aus: Battery Circuit, Overvoltage Protection, Ringing, Signaling, Coding, Hybrid coil (Gabelschaltung), Testing.

Im HFO entwickelte man für den SLIC-Komplex eine spezielle bipolare Hochvolt-Technologie mit Isoliergräben. Detlev Rösener und Klaus Gräf (geb. Leder) wurden zu Pionieren der anspruchsvollen Schaltungstechnik der SLIC-Schaltkreise. Uli Manicke war auch hier der Motor. Mit den Schaltkreisen gelang es, alle analogen Hochvolt-Aufgaben ohne Trafos und ohne Relais zu lösen. Siehe dazu auch [21] und [107].

Bilder der Zentralen, in denen die Schaltkreise genutzt wurden, finden sich in Kap.9 sowie hier [48], [49], [50], [51], [52].

Bild 51: B384D Spannungsversorgung für Telefon [87]. Modellbildung, Simulation, Layout: Detlev Rösner, Klaus Leder, Systementwurf: Uli Manicke u.a. Hintergrundfoto von Richard Kaussler. Siehe auch seine hervorragende Analyse in [111].

Bild 52: B385D Testschaltung Telefon [88]. Modellbildung, Simulation, Layout: Detlev Rösner, Klaus Leder, Systementwurf: Uli Manicke u.a. Siehe dazu auch detailierte Chipanalysen von Richard Kaussler unter [111].

Bild 53: B386D Speiseschaltung Telefon [89]. Modellbildung, Simulation, Layout: Detlev Rösner, Klaus Leder, Systementwurf: Uli Manicke u.a. Siehe dazu auch detailierte Chipanalysen von Richard Kaussler unter [111].

Bild 54: B387D Analogprozessor für den Teilnehmeranschluss [90]. Man erkennt links unten die I²L-Logik zur Steuerung. Modellbildung, Simulation, Layout: Klaus Leder, Systementwurf: Uli Manicke u.a.. Layout und Fotos von Klaus Gräf, geb. Leder. Siehe dazu auch detailierte Chipanalysen von Richard Kaussler unter [111].


Bild 55: SLIC Board Controller (SBC2000) als U1520PC201M (Plastgehäuse) und U1524FC201M (Keramikgehäuse). Der ASIC (U1500 Standardzelle CSGT2S des ZMD) war für die Ansteuerung von 8 SLICs und den dazugehörigen SLACs (Subscriber Line Audio-Processing Circuit, Vorbild AM7901) auf der Teilnehmerkarte "SLIC B" des FML vorgesehen. Simulation, Layout: Frank Ilchmann (INT), Systementwurf: Wilkin Rohr (INT/FML). ZMD-Betreuer Herr Kliemank. Layout und Fotos von Wilkin Rohr.


SLIC-B Komplex des FML (Bipolar-Hochvolt Technologie)

Zur Erhöhung des Integrationsgrades wurde etwa ab 1985 ein zweiter SLIC-Komplex als "SLIC-B" im VEB Fernmeldewerk Leipzig (FML) entwickelt. Dieser zeichnete sich durch eine Erhöhung des Integrationsgrades aus, statt 4 fanden 8 Teilnehmeranschlüsse auf einer Leiterkarte Platz.

Das FML wurde 1980 zum Stammbetrieb des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik, dessen Forschungszentrum war das INT. Offenbar weil die Berliner Entwicklungskapazitäten im INT, vor allem aufgrund fehlender Rechentechnik nicht ausreichten, wurde mit Unterstützung durch Ingenieure des INT im FML ein zweites ASIC-Entwurfszentrum im Kombinat (Abt. EE2 unter Helmut Kunze und EK34 unter Rudolf Wagner) aufgebaut. Dem Autor kam nebenbei die Aufgabe zu, auch die Mitarbeiter im FML zu schulen.

Bild 56: SLIC-B Karte für 8 analoge Teilnehmer für die DVZ2000 aus Leipzig. Man erkennt pro Zeile die SLIC-B ASICs: U3852, B3862, B3872 und den SLAC AM7901. Links unten befindet sich ein ZMD-IC ohne Bezeichnung. Es handelt sich um den SLIC-Board-Controller U15200PC201M. Foto von Dr. Hans-Joachim Lautenschläger.

Wilkin Rohr aus dem FML schreibt dazu:

"Aus Berlin stammen die IC B384 bis B387... = SLIC A. Aus Leipzig stammen die IC U3852 bis B3872... = SLIC B mit völlig anderem Konzept. SLIC B wurde ab Anfang der 80er Jahre in Leipzig, Abteilung EE2 (Helmut Kunze), entwickelt und war für DVZ2000 vorgesehen. Die gezeigte Leiterplatte stammt aus Leipzig. Außer den ASICs erkennt man z. B. Grob- und Feinschutz, das Wickelteil als Bestandteil des besonders steilen Filters für 16 kHz-Gebührenimpulse und insgesamt eine überschaubare Anzahl diskreter Bauelemente. Als Signalprozessor SLAC sollte ein AM7901 als Vorbild dienen. Auf der Teilnehmerkarte im Bild sind noch die AMD-Vorbildtypen bestückt.

SLIC B wurde einschließlich der ASICs maßgeblich in der Entwicklungsabteilung EE2 im Nachrichtenelektronik Leipzig für DVZ2000 entwickelt. Ich habe in dieser Abteilung analoge und digitale (I²L) Anteile für den B3872 (HFO) erarbeitet. Wichtige Ziele für SLIC B waren die Erfüllung der physikalischen Forderungen für den Export (UdSSR,...) sowie die Reduzierung der Anzahl von Bauelementen. Als Anlagen füge ich Bilder der genannten ASICs und der Teilnehmerkarte mit SLIC B an.

Nachdem die Entwicklung DVZ2000 ins Stocken gekommen war, führten wir Untersuchungen am SLIC A durch, mit dem Ziel der Stabilisierung. Oft war Herr Manicke bei uns zu Gast. Bei den Untersuchungen am SLIC A fiel mir an einigen Exemplaren auf, dass es nach längerer Betriebsdauer zu Ausfällen kam. Innerhalb weniger Minuten liefen die Speiseparameter völlig aus dem Ruder. Bei der Fortsetzung der Untersuchungen am nächsten Tag zeigte sich, dass die Parameter wieder stimmten. Ich glaube mich außerdem zu erinnern, dass es beim SLIC A erforderlich war, auf Grund von Prozessschwankungen im Halbleiterprozess die Kanäle individuell abzugleichen.

Schwierig schien es auch zu sein, Störungen und Verkopplung durch die Transverter zu unterdrücken. Für SLIC B war für die Speisung deshalb die Zuführung einer hohen Gleichspannung vorgesehen, die zentral zu erzeugen war. Leider waren die technologischen Voraussetzungen damals nicht gegeben, um auch mit SLIC B erfolgreich zu sein."

Bleibt nur noch die Frage nach Datenblättern der Bauteile. Möglicherweise waren diese bis zum Ende der DDR noch nicht geschrieben? Wer weiß mehr dazu? Bitte meldet euch! Jeder Hinweis kann nützlich sein.


6 Steuerung Teilnehmerkarte und PCM480 Fehlerortung (I²L)

Über den Schaltkreis KD310 wird die komplette Teilnehmerschaltung gesteuert. Im VEB Nachrichtenelektronik Leipzig / Fernmeldewerk Neustadt-Glewe entstanden damit die ersten vollelektronischen Nebenstellenzentralen NZ96 [50] für 96 Teilnehmer und NZ400 [51] für bis zu 384 Teilnehmer. Die ersten zehn Anlagen der elektronischen Vermittlung ENA64 (NZ400-64) wurden 1986 für die NVA im VEB Fernmeldewerk Neustadt-Glewe produziert [92], [93]. NZ96 wurden ebenda wahrscheinlich auch ab 1986 produziert [50], [94]. Parallel dazu entstand die erste, digitale Ortszentrale OZ100 [48], [49], [77], [78] für 100 (96) Teilnehmer auf Basis eines U880 (Z80) Mikrocontrollersystems. Im Fernmeldemuseum Dresden kann das letzte, funktionierende Exemplar der OZ100 besichtigt werden. Gegenüber den Nebenstellenzentralen (NZ96 oder NZ400) ist bei der OZ100 der SLIC-Komplex vollständig vorhanden. Siehe dazu [2], [48] und [49].

Der KD320 war für die Fehlerortung in unbemannten PCM480-Ämtern und in PCM480-Regeneratoren entwickelt worden. Bilder der PCM-Ämter, in denen der KD320 genutzt wurde, finden sich in Kap.9 sowie hier [53], [55].

Beide IC, KD310 und KD320 waren auf einem digitalen ISA Master (ID30, SBC mit 490 I²L-Gattern) entwickelt worden ([9], [57]), lange bevor 1985 die CMOS Standardzell-Linie des ZMD U1500 zur Verfügung stand (deren erster IC war der U1550, siehe dort). Der KD310 muß bereits gegen 1983 fertig gewesen sein, anders ist der Einsatz in allen Zentralen außer DVZ2000/DKS nicht zu erklären.

Zu beiden Schaltkreisen KD310 und KD320 existieren noch Kurzbeschreibungen, siehe [21], [107], [108].

Bild 61: KD310 Teilnehmer-Steuerschaltung für digitale Zentrale OZ100. Layout: Martin Dinter, Andreas Weißflog (?), Christhard "Otto" Landgraf; Simulation und Überführung ins HFO: Dietmar Warning; Testadapter Dr. Eberhard Kühn; Testfolgen für Tester T2000 Olaf Hamann; Systementwurf: U. Manicke u.a.

Bild 62: DK410 - die an den genormten Namensraum (D für digital und K für Kunden-IC) angepasste Bezeichnung des KD310 vom März 1989, siehe Aufdruck-Konventionen.

Bild 63: KD320 Fehlerortungs-IC für PCM480. Layout: Volker Tüngler, Testadapter und Testfolgen für Tester T2000 Olaf Hamann, Systementwurf: Uli Manicke u.a.


7 Digitales Vermittlungssystem (nSGT)

Wie oben erwähnt, wurde der Eigenentwurf eines Integrierten, Digitalen Netzes (IDN) zugunsten der Kompatibilität mit dem im NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) parallel entstandenen ISDN aufgegeben. IDN gab es weltweit einige, Vorreiter war die Schweiz. Hier wurden ein Dutzend unterschiedlicher PCM-Zentralen installiert mit der Folge, daß die Schweiz in den folgenden Jahren Weltmarktführer bei der Systemanpassung wurde.

ISDN war konservativ, aber westliche Elektronikzeitschriften waren voll davon. ISDN machte das Rennen damit auch für das DVS des INT. Die hier entwickelten Schaltkreise waren pinkompatibel zum Alcatel/ITT System 12, Basis war PCM30/32 mit allen ISDN-Dienstmerkmalen. Im ESEN/ESVT des RGW entschied man sich allerdings bis 1989 nicht für ISDN, man sah die Kosten/Nutzen-Relation als zu schwach an. Auch bei den Zentralen OZ100, NZ96 und NZ400 verzichtete man auf die meisten ISDN-Dienstmerkmale.

Zur Markteinführung der digitalen Vermittlungstechnik in der DDR wurde das Einführungs- Produkt DVZ2000 (Digitale Ortsvermittlungszentrale für 2000 Teilnehmer) entwickelt, siehe auch [52]. Das System wurde im Wesentlichen auf der Basis von Standardschaltkreisen unter Verwendung der digitalen Teilnehmer-Schaltkreise (CODEC, Filter, SLIC) und der Vermittlungsschaltkreise (PCM30/32-Sender, -Empfänger und -Koppelfeld) in Analogie zum System 12 konzipiert. Ein Muster wurde funktionsfähig auf der Weltnachrichtenausstellung 1987 in Genf ausgestellt [5] und war dort eine kleine Sensation.

Die Entwicklung der DVZ2000 war eigentlich als Notfall-Lösung und Demonstration der Fähigkeiten der DDR zur Linderung der Embargoeinschränkungen gedacht, um in Ruhe an einer umfassenden Lösung im RGW auf der Basis des ITT System 12 (ISDN) unter strikter Geheimhaltung zu arbeiten (DKS). Dazu wurde ein spezielles Entwicklungs-Team unter Dr. Ingomar Krahl gebildet in Berlin, daß in einem dafür gebauten Hochhaus in der Allee der Kosmonauten 23A/B an der Systementwicklung arbeitete, während im Entwurfszentrum Edisonstraße die nötigen PCM-Vermittlungsschaltkreise entwickelt wurden. Für den Schaltkreisentwurf waren Mitarbeiter zu gewinnen und zu qualifizieren, [34].

Bild 71: Im INT entwickelte Schaltkreise für DVS-Zentralen und für unbemannte PCM-Ämter

Entwickler-Team: Thomas Wehren, Ralf Ballentin, Detlev Müller, Regina Rösner, Petra Schulze, Winni Semrau, Gerhard Seeger, Frank Mattis, Dietmar Warning, Dr. Lutz Porombka, Ralf Buchmann, Dieter Martin, Peter Schiersch, Dr. Ralf Schumann, Arnold Rost, Lutz Riedeberger, Antje Anton, Andreas Kuchenreuther, Kerstin Herbstleb, Andreas Zelder, Elke Oberthür, Hardy Parus u.a.
Systementwurf: Rolf Simon, Thomas Wehren, Bernd Gansert
Elektriksimulationen, Gehäuse, Überleitung: Dietmar Warning
Rechentechnik Schaltkreisentwurf: Joachim Kolbaske, Jörg Krüger
Projektleitung Schaltkreisentwicklungen DVS: Gerd Heinz
Chefentwickler DVS: Dr. Ingomar Krahl
Koordination: Dr. Dietmar Bogk (Bereichsdirektor E, ab 1986 Institutsdirektor).
Entwicklungszeiten:
Eigenentwurf 1982-1985, siehe Reste in [19] und [74]. Federführend beim Eigenentwurf waren Rolf Simon (System) und Thomas Wehren (Datenweg-Planung und Layout). Mitarbeiter: Regina Rösener, Arnold Rost, Gerd Heinz u.a.
Pin- und funktionskompatibler Nachbau von ITT-System12 Schaltkreisen aus unbekannter Quelle: 5/1985 bis 5/1987 (alle Bilder der Seite).

Projektförderung der IC und der DVS-Zentrale erfolgte ab 1985 mit rund 18 Mio. DDR-Mark (3 Jahre) durch das Ministerium für Wissenschaft und Technik der DDR (MWT).

Arbeitsmittel: 3x Tektronix Workstation 4113/4114 mit Farbgrafik (Stückpreis damals etwa 300.000 Mark der DDR), 1x VAX, 1x Kulon (russisch/bulgarisch modifizierte PDP8/L mit zwei Arbeitsplätzen mit grüner Grafik-Bildspeicherröhre, modifiziertes Tektronix 1014). Bis zu 32 Entwerfer arbeiteten in vier Schichten (rund um die Uhr). Der Autor erschien auch am Wochenende jeweils zum Schichtwechsel, um Verluste bei der Wissensübergabe zwischen den Teams zu mindern.

Ort der IC-Entwicklungen: INT Edisonstr. 63, dritte Etage etwa in der Mitte des langen Gebäudes mit Sicht auf die Edisonstraße. Um ins Entwurfszentrum zu kommen, war ein erstes Codeschloß zu bedienen. Um in den Bereich der Rechentechnik zu gelangen, war ein zweites Codeschloß zu überwinden. Um zu den Tektronix-Workstations des DVS-Projekts zu gelangen, war das dritte Codeschloß zu öffnen, es handelte sich teils um Embargo-Technik.

Carver Mead (Caltech) und Lynn Conway (Xerox Corp.) hatten 1979 ihr berühmtes Buch "Introduction to VLSI-Systems" [26] herausgebracht. Dieses Buch brachte eine Revolution in den Designprozess integrierter Schaltkreise. Man denke an ihr Multichip-Project (MCP), oder an Dave Johannsens OM2-Machine (Kap. 5 in [26]). Sie zeigten, wie man Entwurfseffizienz durch Wiederholstrukturen um ein Vielfaches steigern kann.

Für die nSGT2-Entwürfe übernahmen wir die Idee der Lambda-Entwurfsregeln, die auf die nSGT2-Technologie [34] des Herstellers der IC, ZFTM Dresden, angepaßt wurden [28], [58], [59], [74]. Mit diesen wurde es möglich, schneller und mit einem gröberen Raster zu arbeiten, die Rate der Layoutfehler sank. Man vergleiche die Plotbilder in [19] und [74] mit Vorbildern von M/C [26]. Zur statischen Dimensionierung der nSGT-Gatter wurde ein Arbeitsblatt entwickelt. Damit konnten die B/L-Verhältnisse der Enhancement- und Depletion-Transistoren der Gatter effizient bestimmt werden [58], S.12.

Da in DDR-Hochschulen zu wenige Mikroelektroniker ausgebildet wurden, gestattete der damalige Institutsdirektor Dr. Lochmann die Abwerbung [100] interessierter Mitarbeiter aus Abteilungen des INT, deren Betätigungsfelder ihren Höhepunkt überschritten hatten, d.h. die sich bislang mit Reedrelais- und Koordinatenschaltertechnik beschäftigt hatten (ENSAD etc.). Dem Autor kam die Aufgabe zu, entsprechende Umschulungen durchzuführen. Dabei entstanden verschiedene Polylux-Folien [34], [39].

Wie in Kap.3 ausgeführt, handelte es sich bei diesem zweiten Entwurf der PCM30-Koppelfeld-IC um einen pin- und funktionskompatiblen Nachbau von Schaltkreisen des "ITT System 12" (ITT/Alcatel/SEL).

Simulationen für die nSGT2-Schaltkreise U3210, 3220, 3230 (IEMS, ISES, IKOS) erfolgten mit dem [29] LSI-Simulator von Dr. Wolfgang Hecker und Kollegen aus dem Funkwerk Erfurt. Dies war kein klassischer Logiksimulator wie das hauseigene SIMPER, vielmehr wurden schaltende Transistoren direkt als Schalter abstrahiert. Lange Open-Drain-Busverbindungen konnten damit sehr einfach direkt modelliert werden - mit einem klassischen Logiksimulator wie SIMPER verzweifelte man an solchen Stellen. Mit dem LSI-Simulator wurde eine wesentlich höhere Entwurfssicherheit möglich (auch alle nSGT-Schaltkreise der Prozessorschaltkreise des FWE wurden mit dem LSI-Simulator simuliert). Transistormodelle für die Netzwerksimulation finden sich hier [81], [82] und unter Berücksichtigung von Kurzkanaleffekten für das Technologieniveau 4 (U1600 / U5300) hier [97].

Der Schaltkreisaufdruck ZFTN weist darauf hin, daß die IC als Vollkunden-IC nicht auf dem freien Markt verfügbar waren. Sie wurden im Funkwerk Erfurt in der Technologie nSGT2 (n-Channel Silicon-Gate) gefertigt. Hier findet sich noch die Übergabe-Direktive [27] für die Produktionsfreigabe vom 14.5.1987 an MME (FWE).

Verwendete Werkzeuge: Layout DS11 (HFO?), Layoutprüfung: LSIDIK [61], Testpattern: LS11 (HFO?), Logik-Syntaxprüfung: LSISYN, Logik-Simulation: LSISIM, Netzwerksimulation: STADYNET, später NIFAN. Rechenzeit pro IC-Entwurf: Grafik: 350h, VAX: 200h, ESER1040: 80h (aus der Übergabe-Direktive [27]).

Bild 72: U3210 "IEMS" PCM-Empfangsschaltung: Thomas Wehren, Regina Rösner u.a.

Bild 73: U3220 "ISES" PCM-Sendeschaltung: Ralf Ballentin, Petra Schulze u.a.

Bild 74: U3230 "IKOS" PCM-Koppelfeld: Dr. Lutz Porombka, Gerhard Seeger, Winni Semrau u.a. siehe auch Schaltungsfragmente unter [74] und [80]. Hintergrundfoto von Richard Kaussler [112].

Bild 75: Trägerstreifen eines 64-Pin Gehäuses dieser Bauart (QUIL64 - Quad In Line). Der Silizium-Chip wird innerhalb des vergoldeten Bereichs auf den Trägerstreifen aufgelötet, gebondet und mit einem speziellen Thermoplast umhüllt. Erst im letzten Arbeitsschritt werden die Brücken zwischen den Beinen ausgestanzt, die Beine werden gekürzt und in Form gebogen.


8 PCM-Schaltkreise (CSGT2-U1500)

Für digitale Ortszentralen und Vermittlungssysteme auf Basis PCM30/32 [25] wurden verschiedene, digitale Schaltkreise in der Technologie CSGT2 (Complemantary Silicon Gate Technology) - umgangssprachlich CMOS (Complementary Metal Oxid Silicon) als U1500-Standardzelle [18], [34], [35]) und ab 1985 in der Technologie CSGT4 (U1600 Standardzelle mit skalierter Strukturbreite) entwickelt.

Anfangs erhielt jeder Standardzell-Entwickler für sein Bauelement vom Betreuer der Technologielinie beim Hersteller eine Nummer. Da Nummern im Vorlauf vergeben wurden, Betreuer wechselten und immer mehr IC-Typen entwickelt wurden, die zu verschiedenen Zeiten eingespeist wurden, entstand ein heilloses Chaos, das heute kaum noch zu entschlüsseln ist. In der Produktion und bei den Kunden entstand Verwirrung. Auch war die ursprüngliche Nummerierung nur vierstellig (z.B. U1501). Jemand hatte dann eine neue Idee und machte daraus ein Bürokratiemonster, wie die Gehäuseaufdrucke mit den alias-Namen beweisen.

Bilder der PCM-Gestelle finden sich hier [53], [54], [55].

Team: Jürgen Funke, Petra Schulze, Gunther Thielicke, Frank Ilchmann, Christhard "Otto" Landgraf, u.a.

Bild 81: U1501 alias U1500PC001 bzw. U1500CC001 - PCM Sender

Bild 82: U1502 alias U1500PC002 bzw. U1500CC002 - PCM Empfänger

Bild 83: U1503 alias U1500PC003 - Lichtwellenleiter Übertragungs-IC

Bild 84: U1504 alias U1500DC004 - Christhard Landgraf und Frank Ilchmann. Bitprozessor für Werkzeugmaschinensteuerung EFE700 und EFE720 (?) [86]

Bild 85: U1507 alias U1500PC007 ?

Bild 86: U1508 alias U1500PC008 ?

Bild 87: U1502PC054 - Christhard Landgraf? Kameraschaltkreis nach Quelle [1] ?


9 Ausgerüstete Zentralen

Es ist wenig darüber bekannt, wieviele Geräte und Zentralen mit unseren Schaltkreisen bis zum Ende der DDR gebaut und installiert wurden. Bislang ist bekannt, daß die Schaltkreise in den Ortszentralen OZ100, DVZ2000 und DKS sowie in den Nebenstellenzentralen NZ96 und NZ400 eingesetzt wurden.

Heute, im Jahr 2020, lebt noch eine letzte, funktionsfähige Zentrale mit den ersten Berliner Schaltkreisen. Es ist eine Ortszentrale für 100 Teilnehmer OZ100 im Fernmeldemuseum Dresden, die von Herrn Krumbiegel und Kollegen sorgsam gepflegt wird, [48], [49], [77], [78].

Ein PCM30-Regenerator mit KA601 und KA602 ist wohl nicht mehr erhalten. Eine PCM-Versuchsstrecke Dresden-Pirna wurde gegen 1998 abgebaut, die Geräte wurden verschrottet. Weitere Einsatzorte sind nicht bekannt. Nach Aussage von Herrn Senf vom Fernmeldemuseum Dresden soll dort aber nur ein PCM480-System verbaut gewesen sein. Der Kontakt zu den Entwicklern der PCM30-Regeneratoren unter Leitung von Herrn Janke im VEB Nachrichtenelektronik Greifswald (NEG) riß ab.

DVZ2000 / DKS Digitale Vermittlungszentrale für bis zu 10.000 Teilnehmer und 1200 Verbindungskanäle (Basis PCM30/120/480) [5]. Von der DVZ2000 existierten zwei Exemplare, eines davon war auf der Genfer Telecom 1987 ausgestellt [5]. Kein Exemplar mehr vorhanden. Sie entstanden in Kooperation mit Nachrichtenelektronik Leipzig (NEL / FML). Eine Produktion war nicht vorgesehen, sie besaß nicht alle ISDN-Dienstmerkmale und diente als Warenmuster vornehmlich der Kundenaquise für die Zentrale DKS. Das PCM-Koppelfeld war mit Standard-TTL-IC bestückt. Siehe auch Bilder und Beschreibung im Computermuseum Halle [52]. Der Plan, Vorbild-Schaltkreise in der DVZ2000 zu nutzen, um parallel entwickeln zu können, ging aus unbekannten Gründen nicht auf. Der Verantwortliche für die Leiterplattenentwicklungen der DVZ2000 / DKS, Bernd Gansert schreibt dazu:

Die Produktion der DKS-Zentrale hatte zur Wende noch nicht begonnen. Allerdings existierten auch davon mehrere Exemplare, mindestens eines im Bereich Digitale Vermittlungstechnik. Ein anderes Exemplar wurde nach Aussage von Bernd Gansert im Gestell einer DVZ2000 für 2 Mio. Rubel an die Firma Krasnaja Sarja (Morgenröte) Leningrad verkauft. Man hoffte darauf, die Firma als Partner für ISDN/System12-Zentralen gewinnen zu können. Sie entstanden in Kooperation mit Nachrichtenelektronik Leipzig (NEL) als Zulieferer für die Gehäuse und sonstige Hardware. Die Bilder in [69] gehören zur geplanten Produktionsversion der DKS.

Die Zentrale NZ400 wurde 1987 in Genf erstmals ausgestellt [5]. Einige NZ400 sollen in Führungsbunkern der NVA überlebt haben [92].

 
 

Bild 90: OZ100 - Kleine Ortszentrale für 100 analoge Teilnehmer. Oben: Zwei Kartenvarianten des Anschlußes für vier Teilnehmer mit Schaltkreisen U1001 (NF-Filter) und U1011 (CODEC) sowie B384 bis B387. Ein KD310 (STS) steuert den Buszugang, ein U1021 die Zeitlage (ZLS). Unten: Prinzipbild und letzte, funktionsfähige Zentrale aus dieser Zeit im Fernmeldemuseum Dresden. Über die obenauf stehenden Telefone kann man miteinander telefonieren. In der Mitte ist das Bedientastenfeld zu erkennen. Textausgaben erfolgten über Telex auf einen Fernschreiber (nicht im Bild) [48], [49], [77], [78]. Bildquellen: oben rechts Dr. Lautenschläger (ehem. FML), restliche: Fernmeldemuseum Dresden. Etwa 50 Zentralen OZ100 wurden bis zum Ende der DDR installiert, davon drei im Dresdener Raum.

Bild 91: NZ96 - Nebenstellenzentrale für 100 (96) analoge Teilnehmer. Teilnehmer-Anschluß [50], Leiterkarten 4474 (4 Tln.) und 4721 (9 Tln.) mit Schaltkreisen U1001, U1011 und KD310, U1021, B386 und B387. Bei Nebenstellenzentralen entfällt der SLIC-Komplex zur Hochvolt-Speisung des Teilnehmers teilweise. Daneben die Bedienkonsole der NZ96 im Computermuseum Halle.


Bild 92: NZ400 - Nebenstellenzentrale für 400 (384) analoge Teilnehmer. Teilnehmer-Anschluß [51], Leiterkarten mit Schaltkreisen U1001, U1011, KD310 und U1021. Bilder aus der PHS-Berlin [98], [99].

Bild 93: Teilnehmer-Anschluß für acht analoge Teilnehmer "TS8" mit B384, B385, B386, U1001, U1011, U1021, U1550. Die Karte kam in der DVZ2000 und in der DKS zum Einsatz. Wahrscheinlich ist kein Exemplar mehr vorhanden. Bild: Martin Gericke [7]. Siehe auch Bilder und Beschreibung im Computermuseum Halle [52].

Bild 94: PCM-Konzentrator S860.046-60202 der DKS-Zentrale mit U3210 und U3220 aus Halle [52]. Fotos von Torsten Hoffmeister, Berlin (l) und Rüdiger Kurth (r), Robotrontechnik Halle. Die Aufschriften U3210 und U3220 waren nicht mehr zuordenbar. Sie wurden im linken Bild hoffentlich richtig nachgetragen. Es sollen 5x U3210 und 4x U3220 auf der Karte gewesen sein (Quelle Bernd Gansert, HA EVT [101]). Die Koppelfeldkarte (derzeit kein Exemplar mehr bekannt) enthielt 16x U3230. Die Entwicklung war zur Wende noch nicht in Produktion und wurde abgebrochen. Weitere Bilder siehe [69].

Bild 95: PCM480-Regeneratoreinschub mit Fehlerortungs-IC KD320 im Fernmeldemuseum Dresden. Der Regenerator war auf der PCM480-Versuchsstrecke Dresden-Pirna im Einsatz, siehe [53] und [55].


10 Nachwort zur technischen Ausstattung

Im Schaltkreisentwurf hat man nur einen "Schuß", der sehr teuer ist. Er muß im Schwarzen sitzen. Hat ein Schaltkreis einen einzigen Fehler (ein fehlender Kontakt im Layout, ein falscher Widerstandswert, ein Verdrahtungsfehler, ein Fehler bei einer Schaltungsberechnung, ein Fehler im Strommodell eines Transitors, einen Logikfehler, ein Timing-Problem etc.), dann funktioniert dieser IC nicht. Ein halbes Jahr Arbeit und viel Geld wurden dann verbrannt. Die Schaltungsentwicklung beginnt und endet mit einer Elektrik- oder Netzwerk-Simulation. Dabei fand permanent neue Entwurfs-Software Eingang in die Entwicklungen. Den CAD-Stand von 1986 zeigen in Soft- und Hardware die nicht mehr zuordenbaren Vortragsfolien in [83].

Erste Elektrik-Simulationen für den PCM-Regenerator erfolgten mit Lochkarten unter PL/1 im Programmsystem STADYNET aus dem AdW-IMath auf ESER EC1040 (Nachbau IBM360), Programmbetreuer waren Herr Geupel und Frau Fiedler, die in der Außenstelle Altglienicke saßen. Das Inhalsverzeichnis unserer allerersten Modellbibliothek von 1980 zeigt [30]. Die Bibliothek hatte bereits viele Seiten. Man erkennt Bipolartransistoren (PNP, NPN...) aber auch n- und p-Kanal-Transistoren (NC..., PC...). Bis 1984 lief die Jobsteuerung auf Basis von Lochkarten [40], ab 1985 konnten Stadynet- oder NIFAN-Jobs über die serielle Schnittstelle unserer PDP11 an den EC1040 übergeben werden.

Der Netzwerksimulator NIFAN des HFO zeichnete sich durch einfaches, aber leistungsfähiges User-Interface aus. Im Unterschied zu SPICE konnten Schaltungen komplett hierarchisch aufgebaut werden (so konnte man z.B. bei dynamischen Speichern bei Bedarf Transistormodell oder inneres Kapazitätsmodell des Transistors einfach auswechseln), vgl. [15], [16], [41], [42].

NIFAN lief unter FORTRAN unter dem Betriebssystem SVM auf ESER1040 wie auf DEC-Rechnern (PDP11; VAX/VMS) mit VT100-Terminals (später VT220 und VT340) und angeschlossenem Calcomp-Plotter: Erstmals konnte man die Ergebnis-Zeitfunktionen farbig plotten (Syntax-Beispiele und Plots siehe [42]). Für die Überprüfung der Entwürfe standen je nach Technologie und Hersteller etwa 50 Programme in verschiedenen Programmumgebungen zur Verfügung.

Simulationsergebnisse wurden auf einem Trommeldrucker (EC 7031) oder einem Kettendrucker (EC 7039) auf Endlospapier in einem Pseudo-Grafikmode [41] ausgegeben. Logiksimulationen erfolgten für CMOS-Schaltungen mit dem hauseigegen Programmsystem SIMPER (Entwickler Herr Werrmann, Herr Schalldach) anfangs ebenfalls auf Lochkartenbasis. nSGT-Schaltungen wurden etwa ab 1982 mit dem LSI-Simulator aus dem FWE simuliert.

Rechentechnik des RGW (ESER 1040 - IBM 360, ESER 1055 - IBM 370) war damals extrem teuer, groß und an Lochkarten oder Lochstreifen gebunden. Kleinrechner als Nachbauten auf Basis von DEC's PDP-8 und PDP-11 waren erst im Kommen.

Unser erster Grafik-Arbeitsplatz stand gegen 1981 zur Verfügung. Es war ein "KULON" (ISOT 310), eine bulgarische Komposition auf Basis des PDP-8/L. An einer Zentraleinheit hingen zwei Grafik-Arbeitsplätze mit einer grünen Grafik-Speicherbildröhre (wahrscheinlich ein Nachbau des 19-Zoll monochrom-Terminals Tektronix 4014). Da Layouts mehrere Layer besitzen (SBC 7 bis 9, CMOS 12 bis 15), verursachte die grün-in-grün Darstellung von Layouts viele Fehler. Daten befanden sich auf zwei 19-Zoll Wechselplatten mit je 2 Megabyte.

Plots erfolgten anfangs auf einem russischen Kreuztischplotter (2x2 m, 800 kg). Dieser war zu langsam, er hatte nur einen Halter für eine Kugelschreiber-Mine. Die Farben waren separat zu plotten, der Plotter verschwand wieder. Einige Bilder blieben erhalten, sie sind unter [74] zu finden. Man plottete bei Übergabe von Layouts beim Hersteller, z.B. im HFO oder bei FWE oder ging in das nahe gelegene Entwurfszentrum des WF (Dr. Falter), dort hatte man bereits einen Calcomp-Plotter.

CoCom behinderte den Kauf von Rechentechnik aus dem NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet). Hier konnte nur Schalck helfen. Etwa ab 1983 stand eine PDP-11 für die Zusammenstellung von STADYNET- bzw. NIFAN-Jobs zur Verfügung. Der Autor schrieb damals einen "STADYNET-Joberfasser". Mit Hilfe dieses Programms wurde die Jobsteuerung (Lochkarten) im Prinzip durch ein Textfile ersetzt. Man stellte interaktiv am VT100-Terminal seinen Job zusammen und sandte ihn über die RS232-Schnittstelle an den eine Etage tiefer stehenden Großrechner. Lochkarten wurden nicht mehr gebraucht, alles ging wesentlich schneller. Etwa zur selben Zeit konnten die ersten drei Farbgrafik Workstations Tektronix-4113 beschafft werden, die zunächst nur für die Entwicklungen zum DVS im Vierschichtbetrieb zur Verfügung standen.

Etwa ab 1985 stand eine DEC microVAX I zur Verfügung, damit wurde innerhalb kurzer Zeit die Nutzung des hauseigenen ESER-Rechners überflüssig. Dazu kamen VT100 und VT220 Terminals und ein CALCOMP 3036 Trommelplotter. Die VT220-Terminals wurden ab 1986 zur Elektrik- und Logiksimulation mit Pseudografik genutzt.

Die Kommunikation erfolgte im Zeitalter vor Internet, USB oder WLAN ausschließlich über die serielle Schnittstelle (RS232), damals üblicherweise mit 9600 Baud (unglaublich langsam). Im Gegensatz zur differentiellen TTY-Schnittstelle besaß die serielle Schnittstelle mehrere Signalleitungen, damit war eine saubere, differentielle Signalübertragung unmöglich. Die Folgen waren verheerend. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des INT (Edisonstr.63) lag das Transformatorenwerk Oberspree (TRO). Dort testete man täglich Transformatoren. Die kurzen Netz-Aussetzer und Überspannungsspitzen brachen ab und an die Kommunikation zwischen den Rechnern ab. Oft verursachten sie Abstürze der Computer. Als Abhilfe wurde ein riesiger Trenntransformator eingebaut, der unsere Rechner schützen sollte. Aber auch dieser half nicht viel. Datensicherungen erfolgten deshalb vorteilhafterweise nachts.

Gleich nach Gründung des Entwurfszentrums war ein Sondentaster AVT100 bestellt worden. Der Tester erlaubte es, mit bis zu 100 Tastsonden (Nadelspitzen) auf den Kontaktflächen des noch im Scheibenverbund liegenden IC aufzusetzen, um parametrische Messungen vorzunehmen oder um funktionierende Bauelemente auszusortieren. Auf der Scheibe sind stets nicht alle Bauelemente in Ordnung, die Ausbeute lag je nach Technologie damals bei 5% bis 50%. Nur funktionierende Bauelemente werden anschließend verkappt und kommen dann als fertige IC zur Endmessung (Warenausgangstest). Ein weiteres Problem kam hinzu. Das INT steht auf sandigem Grund. Donnerten schwer beladene LKW die Edisonstraße hinab, hüpften die Nadeln auf den Bondinseln. So mußten auch AVT-Messungen abends oder nachts erfolgen. Im Thüringer Museum für Elektrotechnik ist noch das Nachfolgemodell des AVT100, ein letzter AVT110 von 1989 erhalten, siehe Bilder.

Bild 101: vlnr: AVT110 mit Tisch; Blick auf den Sondenring (Probecard); einzelne Tastsonde. Fotos: Stephan Hloucal, Thüringer Museum für Elektrotechnik, Erfurt [67] und GH (Sondenring). Sondenring und Einzelsonde stammen von verschiedenen Ausstattungsarten des AVT. AVT und Einzelsonde sind für den Labortest eingerichtet, der Ring mit gelöteten Nadeln stammt aus einer Produktionsstrecke.

Während in obligatorischen, gesellschaftlichen Veranstaltungen (Schule der sozialistischen Arbeit, Gewerkschaftsversammlungen, FDJ-Versammlungen, Parteilehrjahr etc.) Lenins These vom faulenden und sterbenden Kapitalismus täglich vorgebetet wurde, konnten sich denkende Menschen im Westfernsehen täglich vom Gegenteil überzeugen. Lenin ignorierte, daß ein faulender, kapitalistischer Großkonzern in Insolvenz gehen kann, während ein faulendes, diktatorisch geführtes, sozialistisches Staatsmonopol diese Chance nicht hat. Weltweit entstanden bis Ende 1989 etwa eine halbe Million Schaltkreistypen. In der DDR waren es bis dahin etwa 1500 Typen, im RGW vielleicht doppelt soviele. Sozialistische Planwirtschaft hatte der rasanten, technischen Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft nichts mehr entgegenzusetzen. Der kalte Krieg war verloren.

(Alle Angaben ohne Gewähr).


Quellen

Die Recherchen zum Thema zeigten eine dürftige Quellenlage. Entweder waren es zu Haus vergessene Kopien oder Notizen, es waren restlos vergilbte Ormig-Abzüge oder es waren mißglückte Plotbilder, die die Zeit in irgendeinem Winkel oder Ordner überdauerten. Die Abwicklung des INT verlief überstürzt und voller Hast. Die Bibliothek wurde aus dem fünften Stock direkt in unten stehende Müllcontainer gekippt. Akten flogen aus den Panzerschränken aus dem Fenster, so berichtete man. Denkende Menschen im Osten wie im Westen waren nervös und verzweifelt. Die im Osten, weil sie wußten, daß es wirtschaftlich so nicht weitergehen konnte. Die im Westen, weil sie die sozialen Verwerfungen ahnten, kämen nun Millionen Arbeitslose aus dem Osten herüber. Vieles flog in den Müll, was dort nicht hinein gehörte. Das INT-Grundstück gehörte wieder AEG und Siemens, die es verkauften. Gehälter konnten nicht mehr gezahlt werden, die Leute wurden entlassen. Schließlich waren mit der überstürzten Einführung der harten D-Mark fast alle Betriebe im Osten innerhalb kürzester Zeit insolvent. Es waren sehr viele Betriebe: Im Osten herrschte Vollbeschäftigung, siehe eine Auflistung der Elektrotechnik-Firmen in [63]. Nur weniges überdauerte.





Danksagung

Vielen Dank an alle Mitstreiter. Inbesondere Dank an Dr. Volker Tüngler, aus dessen Schaltkreissammlung die meisten Layoutbilder stammen. Vielen Dank auch an unerwartete Hilfe von außen: An Martin Gericke vom BKFN, an Rüdiger Kurth von Robotrontechnik Halle, an Stephan Hloucal vom Thüringer Museum für Elektrotechnik, an Herrn Maaß, Herrn Baumann und Herrn Wenzlaff von der polizei-historischen Sammlung Berlin für die Unterstützung der Recherche zur NZ400 und an Lothar Schauer für die Recherche zum ISA-System des HFO. Vielen Dank auch an Wilkin Rohr aus dem FML für den Beitrag zur SLIC-B-Entwicklung und zum SBC2000. Nicht zuletzt auch an Richard Kaussler, dessen hervorragende Analysen der Chipfotos viele Detail aus dem Vergessen hervorholten.

Mein besonderer Dank gilt Dieter Krumbiegel und Kollegen vom Fernmeldemuseum Dresden. Hier "leben" die allerletzten unserer Schaltkreise in einer funktionierenden OZ100 im Wählersaal noch immer!

Nicht zuletzt Dank an die wertvolle Hilfe aus den eigenen Reihen: So konnte Klaus Gräf (geb. Leder) die hervorragenden Bilder vom B387 beitragen. Dr. Dietmar Bogk brachte die vielen Details zur Entwicklung der DDR-Nachrichtentechnik ein. Dank an Dr. Dietmar Warning, er steuerte wertvolle Infos zum KD310 und KD320 bei, sowie an Bernd Gansert für wertvolle Informationen zum DVS. Nicht zuletzt stellte Karl-Adolf Zech wertvolles Material aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung.

Bitte um Mithilfe: Wer erinnert sich noch? Wer hat noch Kenntnisse oder Material? Bitte hilf mit, Fehler zu korrigieren! Sollten Rechte Dritter betroffen sein, bitte melden!

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